MONTAGSFRAGE #83: Welches Buch, in dem Geschwister eine zentrale Rolle spielen, kennt ihr eigentlich?

Bei der Beantwortung dieser Frage hat die Hüterin der Montagsfragen eine kleine, wehmütige Träne im Knopfloch, da in den von ihr präferierten Geschichten sich eher Einzelkinder = Einzelkämpfer tummeln. Im Vergleich zu Antonia habe ich bei mir schon eher das Gefühl, dass mir eine Menge Geschwister literarisch vor die Nase springen.

Allein im Märchen-Universum gibt es unzählige Geschwister-Konstellationen: Hänsel und Gretel, Die sechs Schwäne, Brüderchen und Schwesterchen, Die zwölf Brüder, Frau Holle…!

Augenblicklich fallen mir auch die zauberhaften Kinderbuch-Klassiker ein, wie „Die Brüder Löwenherz“ und „Wir Kinder aus Bullerbü“ von Astrid Lindgren oder Erich Kästners „Das doppelte Lottchen“. Und bei meiner ersten Kinderbuch-Krimi-Reihe 5 Freunde von Enid Blyton toben 3 Geschwister + 1 Cousine + 1 Hund durch die Abenteuer.

Auch die Phantasie der Queen of Crime machte vor Geschwistern nicht Halt und lieferte in ihrem äußerst lesenswerten Krimi Tödlicher Irrtum einen Mord innerhalb eine Gruppe von Brüdern und Schwestern, die allesamt adoptiert wurden. Vielleicht nicht unbedingt im Mittelpunkt der Geschichte stehen die Kämpfe, die Flavia de Luce mit ihren beiden Schwestern Ophelia und Daphne ausficht und somit für eine amüsante Komponente in der Handlung sorgt. Ebenso nehmen aktuelle Krimis gerne das Geschwister-Thema auf: In Bis ihr sie findet von Gytha Lodge steht eine junge Frau im Verdacht am Tod ihrer jüngeren Schwester beteiligt zu sein.

Aktuell lese ich „Zwei Wochen im Juni“ von Anne Müller, indem zwei Schwestern nach dem Tod der Mutter das Elternhaus ausräumen und sich so ihrer gemeinsamen Vergangenheit stellen: Rezension folgt! Doch auch in ihrem Erstlingswerk Sommer in Super 8 schaffte es die Autorin ganz wunderbar die Atmosphäre einer Kindheit in den 70er Jahren wiederzugeben.

„Geschwister, wohin das Auge reicht!“ – Wenn wundert’s: Schließlich bin auch ich ein Geschwist! 😄

…und welche Geschichten über Geschwister könnt Ihr mir empfehlen???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Jerome K. Jerome – Drei Mann in einem Boot. Ganz zu schweigen vom Hund!

Drei überarbeitete Müßiggänger machen – samt Hund – eine Bootsfahrt entlang des Ufers der Themse, um ihre gestressten Nerven zu beruhigen und sich so von ihren eingebildeten Krankheiten zu erholen. Doch diese harmlos anmutende Bootsfahrt bietet ihnen tückische Missgeschicke, unverhoffte Bekanntschaften und wetterbedingte Herausforderungen am Busen der Natur und wird so zu einem Füllhorn an Anekdoten.

Dies ist die Handlung dieses Romans: Mehr passiert nicht!

Eine Gruppe von Individuen machen sich auf eine Reise von A nach B. In filmischer Form würden wir das Werk als „Road Movie“ bezeichnen. Doch als was charakterisieren wir es in seiner literarischen Form? Gerne schließe ich mich der Einschätzung von Harald Martenstein an, der in seinem Nachwort diesen Roman als „Road Novelle“ betitelt. Sie rudern los. Sie kommen an. Und dazwischen passiert eine ganze Menge und gleichzeitig reichlich wenig. Diese Form von Unterhaltungsroman bietet dem Autor eine willkommene Möglichkeit, etliche Geschichten und Geschichtchen, reichlich Weisheiten und kritische Ansichten über die Gesellschaft in eine lose Rahmenhandlung einzubinden.

Dies gelingt Jerome K. Jerome im Grunde auch ganz wunderbar: Wie Perlen auf einer Schnur reihen sich seine Anekdoten entlang des Laufs der Themse aneinander und bieten humoristische Bonmots, ironische Übertreibung, sozialkritische Seitenhiebe, Albernheiten und Slapstick. Die Nichtigkeiten des Alltags werden zu Wichtigkeiten und fordern unsere Helden immer wieder auf ein Neues heraus. Die Tücke des Objekts bietet unzählige Möglichkeiten des Scheiterns. Jerome blickt auf seine drei Männer durchaus liebevoll, überschüttet sie aber mit der nötigen Ironie und verhindert so, dass sie wie unsympathische Taugenichtse wirken. Wobei seine Freude am galanten Fabulieren und detaillierten Schwadronieren auf jeder Seite spürbar bleibt und so auch mir beim Lesen Freude bereitete.

Leider nutzen sich diese Talente bei einem Roman mit einem (vorliegenden) Umfang von über 350 Seiten etwas ab: Aufgrund Ermangelung einer echten Handlung mit Spannungsbogen, Konflikte etc. wirkte auf mich manches zu sehr austauschbar. Die Fülle an Geschichten lässt wenig Raum für erinnerungswürdige Highlights. Weniger wäre mehr gewesen!

Was mir bleibt ist eine schöne Erinnerung an eine literarische Seifenblase (in vielfältigen Farben schimmernd), die trotz des Alters (Erscheinungsjahr: 1889) noch eine überraschende Frische besitzt!

Lust auf eine weitere Meinung? Dann empfehle ich Euch die Rezension meiner Blogger-Kollegin Janina Lehmann von „Frau Lehmann liest“.


erschienen bei Manesse/ ISBN: 978-3717524403

MONTAGSFRAGE #82: Welche Neuerscheinung des Jahres hat dich bisher richtig umgehauen?

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mich keines der neu erschienenen und von mir gelesenen Bücher „richtig umgehauen“ hat. Das mag daran liegen, dass ich mich einigen Romanen aus dem Herbst-Programm erst jetzt widmen konnte und somit nur wenig Zeit fand, um die Neuerscheinungen dieses Jahres zu lesen. Zudem war ich für April mit der ersten Runde zu Literaten im Fokus beschäftigt, bin weiterhin in der Vorbereitung für die nächsten Runden und musste leider die Vorstellungen der Autoren neu terminieren: Der Erscheinungstermin für einige Bücher, die ich unbedingt vorstellen möchte, wurde vom Verlag verschoben, und so gibt es meine Mini-Retrospektive über Georges Simenon erst im Frühjahr 2021.

Doch die wenigen Neuerscheinungen, die mir in die Finger kamen, haben mir durchaus gefallen,…

…aber „richtig umhauen“ mit Karacho, Trommeln und Fanfaren konnte mich leider keines der beiden Werke.

Am ehesten trifft dies auf die Neu-Übersetzung eines alten Klassikers zu,…

…der in Text und Optik „ent-kitscht“ wurde und somit verjüngt auf neue Leser*innen wartet.

Es zeichnet sich jedoch jetzt schon ab, dass auch die Herbst-Saison mir nur vereinzelt Neuerscheinungen bescheren wird: Mit „Literaten im Fokus“ bin ich weiterhin gut beschäftigt, und zudem möchte ich meinem SuB mehr Aufmerksamkeit schenken.

…und welche Neuerscheinungen haben Euch begeistert???


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INTERNATIONALER TAG gegen HOMOPHOBIE…

Ist es tatsächlich erst ein Jahr her, dass ich mich hier an dieser Stelle sehr ausführlich zu dem Thema geäußert habe? Oder ist es eher „schon“ ein Jahr her…! Alles eine Frage der persönliche Sichtweise und des individuellen Empfindens. Braucht es diesen Tag überhaupt noch? Es wurde doch schon so viel erreicht!

Diese Woche hat gezeigt: „Ja! Leider brauchen wir diesen Tag weiterhin!“

Am Donnerstag wurde im Bundestag über die Änderung des Transfusionsgesetzes abgestimmt und diese mit den Stimmen aus CDU/CSU, SPD und AfD abgelehnt. Zur Erklärung: Das Transfusionsgesetz regelt u.a. wer Blut spenden darf, d.h. Männer, die Sex mit Männern haben, dürfen auch künftig erst nach 12 Monaten Sex-Abstinenz Blut spenden.

Ich darf als homosexueller Mann, der seit 20 Jahren eine monogame Beziehung führt, kein Blut spenden, wenn ich nicht vorher eine Erklärung unterschreibe, dass ich seit einem Jahr keinen Sex mehr hatte. Ein heterosexueller Mann, der jedes Wochenende durch Bars und Clubs zieht und „alles pimpert, was nicht bei 3 auf dem Baum ist“ (entschuldigt bitte meine blumige Sprache), braucht diese Erklärung nicht abzugeben. Dabei scheinen die Verantwortlichen ein wichtige Tatsache zu übersehen: Nicht die sexuelle Orientierung schützt vor sexuell übertragbaren Krankheiten! Nur Safer Sex schützt davor! Somit werde ich als schwuler Mann per se unter Generalverdacht gestellt und per Gesetz diskriminiert. Abgesehen davon, dass es niemanden etwas angeht, wann, wie, wie oft, warum und ob ich überhaupt Sex hatte. Wahrung der Intimsphäre, Normalität und Gleichberechtigung sehen für mich anders aus!

Nun könnte eine naive Stimme rufen: „Wozu die Aufregung? Dann lüge doch bzgl. deiner sexuellen Identität!“ Dem möchte ich erwidern: „Warum sollte ich?!“ Innerhalb meiner 50 Lenze gab es Zeiten, da habe ich bzgl. meiner sexuellen Orientierung gelogen und meine wahren Gefühle versteckt. Diese Zeiten waren für mich belastend, erdrückend, einfach schrecklich! Und bei einer dringend benötigten Blutspende, bei der ich freiwillig und unentgeltlich einen Teil von mir geben möchte, um anderen Menschen damit vielleicht helfen zu können, soll ich lügen? Ich werde mich nicht verleugnen! Nie mehr!

Zudem rührt sich mein Rechtsempfinden: Nicht ich habe ein Unrecht begangen! Die Politker*innen, deren Parteinamen sich mit „christlich“ und „sozial“ schmücken, haben diese Ungerechtigkeit zu verantworten und sollten dringend ihr Gewissen prüfen (Naja, und von den „Alternativen“ habe ich nichts anderes erwartet.). Darum…

Diese Woche hat gezeigt: „Ja! Leider brauchen wir diesen Tag weiterhin!“

🌈

[Rezension] Anne Enright – Die Schauspielerin

Wenn Katherine O’Dell die Bühne betritt, fliegen ihr die Herzen der Zuschauer zu. Eine zarte Geste, ein scheuer Blick – und Magie scheint in der Luft zu liegen. Sie selbst kann sich dieses Phänomen nicht erklären. Doch sie scheint ES zu haben, was sie von anderen Schauspielerinnen unterscheidet. Beinah versteckt in der Kulisse steht Norah und beobachtet das Leben dieser Künstlerin. Sie ist die Tochter dieser berühmten irischen Schauspielerin, die in Wirklichkeit Engländerin ist, und das Irische vor ewigen Zeiten übergestreift hat wie eine Rolle, bis aus der Illusion ihre eigene Realität wurde, die niemand zu hinterfragen wagte. Mutter und Tochter: Sie stehen sich so nahe und sind gleichzeitig getrennt durch die völlig verschiedenen Frauenbilder, die sie jeweils leben. Katherine feierte im England der Nachkriegsjahre ihre ersten Erfolge, schaffte den Sprung über den großen Teich an den Broadway und folgte dem Ruf Hollywood. Doch die Rolle der Frauen im engen Korsett der Hollywood-Studios ließ keinen Raum für die ungewollte Schwangerschaft einer unverheirateten Schauspielerin. Gedemütigt kehrt Katherine nach Irland zurück, um ihr Kind alleine groß zu ziehen (Um die Vaterschaft machte sie zeitlebens ein Geheimnis.). Norah wird im Irland der 70er Jahre erwachsen, erfährt den Irland-Konflikt hautnah, studiert und entwickelt ihr feministisches Selbstbewusstsein. Und während die Mutter mit dem Älterwerden, schlechten Rollenangeboten und verblassenden Ruhm kämpft, versucht die Tochter ihr eigenes Leben zu gestalten.

Romane über Mutter-Tochter-Konflikte gibt es ebenso „en masse“, wie mehr oder weniger biografisch angehauchte Werke von Töchtern berühmter Mütter. Bei letzterem fällt es mir schwer, einzuschätzen, in wieweit die Töchter mit diesen Veröffentlichungen mit den übermächtigen Müttern abrechnen, Erlittenes aufarbeiten oder aus dem prominenten Namen Profit schlagen möchten. Werke wie „Meine liebe Rabenmutter“ von Christina Crawford und „Meine Mutter Marlene“ von Maria Riva hinterlassen bei mir darum immer einen bitteren Beigeschmack.

Bei „Die Schauspielerin“ greift die Autorin in den großen Topf der Fiktion und erschafft die Lebensentwürfe zweier Frauen, die es so nie gegeben hat aber durchaus hätte geben können. Wohltuend geht es Anne Enright weniger um die Aneinanderreihung plakativ konstruierter Konflikte zwischen Mutter und Tochter. Auch wenn die Geschichte aus der Sicht von Norah erzählt wird, gönnt sie ihren Protagonistinnen eine Auseinandersetzung ohne Zuweisung von Schuld: Sie wertet nicht und lässt auch nicht zu, dass ihre Heldin dies tun. Entscheidungen, die die Mutter bzw. die Tochter zum Handeln verführten, stehen ebenbürtig nebeneinander. Enright vermeidet es so, dass Norah „schmutzige Wäsche wäscht“, indem sie die große Schauspielerin Katherine O’Dell bloßstellt und vom imaginären Sockel stößt. Spannung erhält der Roman somit nicht aus dramatisch-pathetischen Szenen eines Mutter-Tochter-Konflikts als vielmehr aus der präzise ausgearbeiteten Charakterisierung der Personen. Auf der Suche nach ihren eigenen Wurzeln muss die Tochter zwangsläufig den Lebenslauf der Mutter entmystifizieren, doch dies geschieht mit Respekt und Liebe und lässt die Tochter die Entscheidungen der Mutter in einem anderen Licht sehen.

Anne Enright schenkt uns mit wohlmodulierten Sätzen sprachlich fein ausgefeilte Bilder. Selbst schockierende Szenen werden so erträglicher und erhalten oft eine ironische Komponente. Ihre Personenzeichnungen sind subtil und kraftvoll und lassen die fiktiven Lebensläufe überraschend authentisch wirken. Sentimentalität wird vermieden.

Die darstellende Kunst ist flüchtig, und so weht ein Hauch von Melancholie durch diese Geschichte und zelebriert voller Wehmut die Erinnerung an Vergangenes,…

…an eine Zeit, als es noch Schauspielerinnen gab, die von einer scheinbar magischen Aura umgeben waren.

„Die Schauspielerin“ von Anne Enright hat es auf die diesjährige Longlist für den „WOMEN’S PRIZE FOR FICTION 2020“ geschafft.

Lust auf eine weitere Meinung? Dann empfehle ich Euch die Rezensionen von Rainer Moritz vom Literaturhaus Hamburg.


erschienen bei Penguin/ ISBN: 978-3328601340

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

MONTAGSFRAGE #81: Wie steht ihr zu Kurzgeschichten?

Ich liebe sie…!

Ich liebe sie…! Zwangsläufig…! Was bleibt mir als Vorleser auch anderes übrig! 😉

Kurzgeschichten bzw. Erzählungen sind die von mir bevorzugte literarische Form des Vortrages. Ich gestalte voller Freude Lesungen mit Texten verschiedener Autoren. Und so überprüfe ich immer (zwangsläufig) die Texte, die ich lese, ob sie zum Vorlesen geeignet sind. Und da spielen viele Komponenten eine Rolle: Wie ist die Geschichte aufgebaut? Gibt es einen Spannungsbogen, und wie wird er eingesetzt? Reichen die Beschreibungen der Szenerie aus, um in meinem Kopf ein Bild zu kreieren? Agiert das Handlungspersonal für mich nachvollziehbar, und zeigt es eine Persönlichkeit, die mich fesselt? Wie setzt die Autorin/ der Autor Dialoge ein? Wie ist die Qualität im sprachlichen Ausdruck?

Das mag nun alles sehr theoretisch, verkopft und kompliziert klingen. Ist es aber nicht! Dieser Vorgang läuft bei mir ganz automatisch und völlig mühelos im Hintergrund ab. Ich mache mir darüber keine Gedanken.

Kurzgeschichten zu schreiben ist für mich die literarische Königsdisziplin: In einem Roman auf 200 bis 300 Seiten (oder mehr), die o.g. Punkte zu berücksichtigen, kann jeder (Naja! Nicht jeder! Ich kann’s nicht!). Aber eine ganze Welt auf 10 bis 15 Seiten zu erschaffen, ist die große Kunst. Da werde ich als Leser ohne Vorwarnung, ohne Einleitung in die Geschichte hinein katapultiert. Plötzlich spult sich auf nur wenigen Seiten eine ganze Welt vor mir ab und bietet Emotionen in allen Schattierungen zwischen Komödie und Tragödie. Wenn ein*e Autor*in diese Königsdisziplin beherrscht, dann wird es einfach magisch – magisch, es allein für mich zu lesen; magisch, es vorlesen zu dürfen.

Hier zum Nachlesen eine kleine Auswahl an Werken von Könner*innen:

  • Elke Heidenreich: Nurejews Hund
  • Agatha Christie: Der unfolgsame Esel
  • Anton Čechov: Kleiner Scherz
  • Carl Nixon: Seines Auges Apfel
  • Ria Neumann: Meines Vaters Ringelrosen

Ich wünsche Euch viel Spaß an der Neu- bzw. Wieder-Entdeckung von Kurzgeschichten!

…???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

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[Eine Geschichte…] Adelbert von Chamisso – DÉJÀ VU

Ein Mensch beklagte sich bei Gott, dass er ein zu schweres Kreuz zu tragen habe, und fand Gehör. Gott zeigte ihm das Zimmer, in dem alle Kreuze der Menschen standen und sagte: „Du kannst dein Kreuz tauschen und dir ein anderes aussuchen.“ Der Mensch durchstöberte den Raum und fand ein angenehm dünnes Kreuz, aber bei näherem Hinsehen war es ihm zu lang. Dann stieß er auf ein ganz kleines, aber als er es aufheben wollte, war es schwer wie Blei. Das nächste, das ihm gefiel, legte er auf seine Schulter, stellte dann aber fest, dass es eine scharfe Spitze hatte, die ihm wie ein Dorn ins Fleisch drang. So sortierte er Kreuz für Kreuz aus, weil jedes Unangenehmes hatte. Als er fast alle Kreuze angesehen und geprüft hatte, stieß er auf ein Kreuz, das versteckt hinten in der Ecke gestanden hatte. Es war nicht zu schwer, nicht zu leicht, nicht zu schmerzhaft – irgendwie so richtig handlich und wie geschaffen für ihn. Dieses sollte sein neues Kreuz werden. Aber als er näher hinschaute, merkte er, dass es das Kreuz war, das er auch bisher getragen hatte.

Legende nach dem Gedicht „Die Kreuzschau“ von Adelbert von Chamisso

[Rezension] Dorothy L. Sayers – Ein Toter zu wenig: Ein Fall für Lord Peter Wimsey

Dorothy Leigh Sayers (* 13. Juni 1893/ † 17. Dezember 1957) war nicht nur beinah gleichaltrig mit Agatha Christie, sie galt – wie Christie – als eine der herausragenden „British Crime Ladies“. Diesen Ruf begründete sie anhand ihrer scharfsinnigen Kriminalromane rund um den gediegenen Amateurdetektiv Lord Peter Wimsey. Gemeinsam mit Christie und einigen weiteren Autoren gründete Sayers 1932 den „Detection Club“, eine Vereinigung zur Förderung des klassischen Kriminalromans. Von 1949 bis 1957 war sie zudem Präsidentin dieses Clubs, dessen Mitglieder sich zur Einhaltung bestimmter Regeln verpflichteten, die vor allem der Fairness gegenüber dem Leser dienen sollten.

Schon im Jahre 1919 beschäftigte sie sich erstmals mit der Idee, einen Kriminalroman zu schreiben. Doch erst im Sommer des Jahres 1921 sollte sie ihn auch beenden. Dabei führte sie bis zum Schluss an ihrem Erstlingsroman Änderungen durch. So schrieb sie noch im Januar 1921 an ihre Mutter: „Mein Kriminalroman beginnt heiter mit dem Fund einer toten korpulenten Dame, die in einer Badewanne liegt und nichts trägt außer ihrem Kneifer.“ Gegenüber dieser Beschreibung gab es in der Endfassung des Romans eine entscheidende Veränderung…

Mr. Thipps ist entsetzt: In seinem Badezimmer liegt ein toter Mann in der Wanne. Und wäre dieser Umstand nicht schon skandalös genug, so ist der Tote mit nichts als einem Kneifer „bekleidet“. Lord Peter Wimsey ist entzückt: Im Badezimmer des kleinen, unbedeutenden Architekten Mr. Thipps befindet sich ein toter Mann. Und wäre dieser Umstand nicht schon pikant genug, so ist der Tote mit nichts als einem Kneifer „bekleidet“. In welcher Art und Weise eine Situation wahrgenommen wird, ist somit davon abhängig, aus welcher Perspektive sie betrachtet wird. Mr. Thipps Perspektive ist denkbar ungünstig: Für den ermittelnden Inspektor Sugg ist Thipps der Hauptverdächtige und gehört in Untersuchungshaft. Aus Lord Peter Wimseys Perspektive betrachtet, ist Inspektor Sugg ein inkompetenter Vollidiot, dem es möglichst auszuweichen gilt. Vielmehr hält er sich an seinen alten Bekannten Charles Parker vom Scotland Yard, der sich gerade mit dem mysteriösen Verschwinden eines wohlhabenden Geschäftsmannes beschäftigt. Beide beschließen, ihre Kompetenzen zu bündeln. Zusammen mit Wimseys Diener Bunter und dessen Talent für Forensik, versuchen sie so gemeinsam beide Fälle zu lösen. Aber sind es denn auch wirklich zwei ganz und gar unterschiedliche Fälle?

Wenn ich mir einen Vergleich erlauben darf (Und wir Leser*innen lieben doch Vergleiche, oder?), dann würde ich diesen Kriminalroman als „Agatha Christie trifft P.G. Wodehouse“ beschreiben. Sayers Stil ist eindeutig britisch-klassisch und erinnert so zwangsläufig an ihre Wegbegleiterin Agatha Christie. Dies scheint wenig verwunderlich, da die beiden Damen sich sicherlich gegenseitig beraten, ausgetauscht, wenn nicht sogar inspiriert haben. Neu sind hierbei das galante Fabulieren und die scharfzüngigen Kommentare zwischen Wimsey und seinem Diener, was Wodehouse mit seinen „Jeeves“-Geschichten bis zur Perfektion trieb. Leider nimmt das humoristische Geplänkel hierbei anfangs etwas überhand und lenkt somit vom eigentlichen Kriminalfall ab. Auch wirken einige Personen in ihrer Charakterisierung beinah wie Karikaturen: Da gibt es den tumben Inspektor, den plietsche Diener, und für den affektierten Hauptdarsteller scheint das Kriminalisieren nur eine nette Zerstreuung, um die Zeit zwischen Pferderennen und Lunch im Club zu überbrücken. Bis dahin erschien mir diese Art der Porträtierung des Handlungspersonals für einen Krimi auf Dauer zu oberflächlich.

Ich war kurz davor, das Buch unbeendet aus der Hand zu legen, als die Handlung plötzlich an Fahrt aufnahm und die Atmosphäre sich veränderte. Zeigte sich der Hauptdarsteller bisher mit durchaus unterhaltsamen aber auch trivial anmutenden Allüren, wandelte er sich nun zum mitfühlenden Wesen, dem bewusst wird, welche Verantwortung er für die Betroffenen bei der Auflösung des Falls trägt. Zudem lässt Sayers Situationen in die Handlung einfließen, die das Verhältnis zwischen Wimsey und seinem Diener Bunter in einem gänzlich neuen Licht erscheinen lässt. So wird aus dem aristokratischen Schnösel zu meiner Überraschung ein vielschichtiger Charakter mit Tiefe, bei dem ich gerne mehr von seinen verborgenen Seiten erspähen möchte. Auch die Dialoge zwischen Wimsey und Parker gestaltete die Autorin äußerst raffiniert und informativ: Hier begegnen sich zwei Spürnasen auf Augenhöhe unabhängig von Klassenunterschiede.

Schon ab der Mitte des Romans zeichnet sich ab, wer der Täter ist, und dieser Verdacht wird am Ende auch bestätigt. Im Vordergrund dieses Romans steht somit nicht das Vergnügen des Lesers, gemeinsam mit den Kriminologen dem Täter auf die Spur zu kommen und ihn in einem großen Showdown zu überführen. Vielmehr taucht der Leser in die Psychologie des Mörders ein, um so seine Beweggründe für die Tat nachzuvollziehen, und begleitet die Ermittler in ihrem Bemühen, dem Täter eben diese Tat nachzuweisen.

Dank der von mir soeben beschriebenen Wendung in der Handlung bin ich gerne bereit, dem ehrwürdigen Lord Peter Wimsey eine weitere Chance zu gewähren.

Im Jahre 2009 nahm die Zeitung „The Guardian“ diesen Kriminalromane in ihre „Liste der tausend Romane, die jeder gelesen haben sollte“ auf.

Lust auf eine weitere Meinung? Dann empfehle ich Euch die Rezensionen von Rainer Moritz vom Literaturhaus Hamburg.


erschienen bei Wunderlich/ ISBN: 978-3805200585

MONTAGSFRAGE #80: Verschenkt ihr Bücher auch, wenn ihr sie selbst nicht gelesen habt?

Aber natürlich…!

Allerdings müsste ich mir schon sehr sicher sein, dass der Beschenkte sich über das Buch auch freuen würde. Aber gerade in der letzten Woche ist dies geschehen: Ein sehr lieber Freund und gleichzeitig der Papa vom besten Patenkind der Welt hatte Ende März Geburtstag. Der Termin für ein gemeinsames Essen stand fest, und der Tisch in einem schicken Restaurant war reserviert. Und dann kam Corona…! Die Wochen zogen ins Land und unsere Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen von dannen. Letzte Woche haben mein Mann und ich beschlossen, dass unser Freund sein Geschenk – Essen hin! Essen her! – endlich erhalten soll. Schließlich sollte er nicht der Leidtragende in dieser Situation sein. Zudem hofften wir, ihm mit dem Geschenk eine unverhoffte Freude bereiten zu können.

Bei einem unserer vorangegangenen Telefonate erzählte er mit Begeisterung, dass er einen alten Roman von Ray Bradbury „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ ausgekramt hätte und ihn mit Begeisterung nochmals liest. Mir selbst war Ray Bradbury bis dahin unbekannt, so recherchierte ich und stieß recht schnell auf einen Sammelband „Ausgewählte Erzählungen“ aus dem Diogenes-Verlag. Das Buch machte mit seinem Leinen-Einband im Schuber auch optisch einiges her. Hurtig wurde es bei der Buchhandlung meines Vertrauens bestellt, und nur einen Tag später hing es zusammen mit einer Tafel seiner Lieblingsschokolade und einer Glückwunschkarte schön verpackt an seiner Haustür. Die Freude war groß…!

Aber auch mein Mann ist immer ein äußerst williges Opfer von Buchgeschenken meinerseits. Beide lieben wir Krimis, allerdings sehr unterschiedlicher Couleur: Er liebt Krimis, bei denen schon im ersten Absatz eine Leiche, mindestens ein paar Leichenteile auftauchen müssen, ansonsten „taugt der Krimi nichts!“ (O-Ton: er). Erfreulicherweise hatte ich bisher bei meiner Auswahl immer ein glückliches Händchen, aber selbst lesen würde ich das „blutige Massaker zwischen zwei Buchdeckeln“ (O-Ton: ich) nie und nimmer!

Auch seine heißgeliebten Biografien von mehr oder weniger prominenten Leuten darf er gerne von mir als Präsent erhalten, dann allerdings alleine lesen. Es gab bisher nur wenige Biografien, die zwar mein Interesse weckten, bei denen das Interesse meines Mannes allerdings süß weiterschlummerte.

Gottlob haben weder mein Mann noch ich das Bedürfnis, uns gegenseitig zu bekehren: Jeder von uns darf ganz nach persönlichem Gusto die Lektüre wählen!

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Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

10 Fragen an einen Buchblogger, die sonst niemand stellt…

Passend zum heutigen…

W E L T L A C H T A G

…habe ich mich an die nicht ganz ernst gemeinte Beantwortung dieser investigativ anmutenden Fragen gemacht.

Wenn Ihr Lust habt, diese Fragen auf Euren Blogs ebenfalls zu beantworten, dann haltet Euch nicht zurück…!


  1. Bist du Buchblogger geworden, weil dein Talent zum Bücherschreiben nicht gereicht hat?

Nein! Ich bin Buchblogger geworden, damit auch dort Männer mit Talent zu finden sind!

  1. Geht dir einer dabei ab, wenn du ein Buch so richtig verreißt?

Da ich langsam in ein Alter komme, wo man(n) für eine derartige Regung noch dankbar sein kann, sollte ich wohl froh sein, wenn ich obiges nochmals erleben darf.

  1. Haben Buchblogger Groupies?

Nein! Zumindest: Nicht das ich wüsste! Obwohl: Ich habe mich schon öfter gefragt, wieso hin und wieder ein Schlüpper bei mir im Vorgarten liegt.

  1. Hättest du gerne welche?

Naja, es käme drauf an: Darf ich mir meine Groupies selbst aussuchen? Wenn „Ja!“, dann würde ich stramme (Ex-)Sportler wie Matthias Steiner und Kevin Kuske vorziehen. Ebendiese dürften dann gerne auf dem Heimweg meine Tasche tragen…!

  1. Gibt es etwas, was du an anderen männlichen Bloggern gut findest?

Haben Matthias Steiner und Kevin Kuske eigentlich Blogs? Wenn „Ja!“, dann hat sich diese Frage mit meiner Antwort zur vorherigen Frage von selbst erledigt.

  1. Hast du Freunde im Feuilleton?

Nein, woher sollten sie auch kommen, denn „Der Blogger ist dem Feuilleton sein Tod“. Schließlich mache ich nichts anderes als ein Feuilletonist – nur freiwillig, mit Spaß und ohne dem finanziellen Aspekt. Im Vergleich zum von seinem Schicksal verbitterten Feuilletonisten hätte ich zumindest rein theoretisch noch die Chance, dass mir beim Verreißen einer… – aber das würde hier zu weit führen!

  1. Können lesende Männer eigentlich auch Männersachen, wie einen tropfenden Wasserhahn reparieren?

Apropos tropfender Wasserhahn: Wenn es verlangt wird, dann könnte ich im Stehen pinkeln. Habe ich damit die Frage ausreichend beantwortet?

  1. Deine Meinung zu Maxim Biller, Takis Würger oder Saša Stanišić?

Ich habe zu diesen drei Herren keine Meinung, da ich von ihnen bisher noch kein einziges Werk gelesen habe. Ohje, habe ich mich jetzt als Literaturbanause und Kretin der schlimmsten Sorte geoutet? Aber werden diese Herren in der Zwischenzeit nicht von Hans*ine und Franz*iska gelesen?! Somit zählen sie für mich zur Mainstream-Literatur, und da ich mich als ein bloggender Rebell, der gegen den Strom schwimmt, sehe, kommt mir sowas profanes nicht vor die Augen.

*Ich habe so gehofft, dass ich in diesem Beitrag wenigsten einmal das Gender-Sternchen nutzen darf, und nun beschert mir mein Talent gleich zwei * auf einem Streich!

  1. Hast du schon mal ein Buch besprochen, dass du gar nicht gelesen hast?

Nein! Wozu auch…? Ich habe durchaus Bücher vorzeitig abgebrochen, da ich keine weitere Lebenszeit an ihnen verschwenden wollte. Dies habe ich aber immer in dem von mir bekannten wohlwollenden Ton meinen Leser*innen (Hurra! Gender-Sternchen Nr. 3) kundgetan. Achja, dem Verlag und der/dem Autor*in (Nr. 4) übrigens auch…!

  1. Hat dir ein Verlag oder ein Autor schon mal ein unmoralisches Angebot gemacht?

Nein, noch nie! Und darüber bin ich auch sehr froh. Obwohl: Je länger ich darüber nachdenke…! Hm…! Wieso eigentlich nicht…? Frechheit…! Was bildet ihr euch eigentlich ein, mich so schmählich zu übersehen? Was haben die anderen Blogger, was ich nicht habe…? Nur weil ich vielleicht, womöglich und eventuell eines von euren s.g. Verlagsprodukten hin und wieder verrissen habe? Ha, seid ihr etwa so nachtragend? Ja! Dann lasst euch gesagt sein: Euer Verlagsprodukt war sooo mies, da ging mir beim Verreißen noch nicht einmal einer ab!

So, jetzt hab ich’s euch aber gegeben…!


Meinen herzlichen Dank geht an Tobias Nazemi von buchrevier, denn dort habe ich diese Fragen her – getreu meinem Motto „Lieber gut geklaut als schlecht selbstgemacht!“…

…und ansonsten: Lachen nicht vergessen! Nicht nur heute sondern an jedem Tag!

😀