MONTAGSFRAGE #26: Gibt es ein Genre, das du gar nicht (gern) liest?

Montagsfrage (1)

Ja, gibt es! Und: Nein, gibt es nicht! (Hä?)

Es sind vielmehr einige Zutaten, die ich nicht mag, und die bei Gebrauch das Menü für mich ungenießbar machen. Wobei besagte Zutaten gerne zur Zubereitung gewisser Genre verwendet werden. Darum sind die Grenzen auch fließend…!

Ein gelungenes literarisches Menü darf gerne auf folgende Zutaten/ Genre verzichten: Horror & Gewalt, Vampire, Sex,…!

Horror/ Gewalt: Rache nehmende Untote, Beil schwingende Kindermädchen oder sprechende Puppen mit Eigenleben dürfen ebenso VOR meiner Tür bleiben wie Serienkiller in Friesland, die junge Frauen foltern oder Psychopaten in Skandinavien, die ein Meer aus Blut hinterlassen. Das reale Leben und somit auch die Literatur ist aufregend genug, da braucht es meiner Meinung nach keine verschriftlichten Horror-Fantasien und Gewalt-Exzesse. Die nach wie vor anhaltende Faszination an diesen Extremen hat sich mir nie erschlossen.

Vampire: „Dracula“ von Bram Stoker ist unbenommen ein Klassiker. Punkt! Über den ihm nachfolgenden kläglichen Rest möchte ich lieber schweigen. Wobei ich zugebe, dass dieser Hype um die Blutsauger gänzlich an mir abgeprallt ist, und ich somit deren Faszination nie verstanden habe. Will sagen: Sie sind mir völlig schnuppe!

Sex: Oftmals wird ja Sex mit Erotik verwechselt bzw. gleichgesetzt. Dabei hat für mich die detaillierte Beschreibung von Sex(-praktiken) nichts mit Erotik zutun. Das ist Pornografie in Worte verpackt. Erotik ist so viel mehr: Das Knistern zwischen zwei Protagonisten, wenn sie sich begegnen; dieses Ankämpfen gegen die Gefühle mit einem „Nichtwahrhabenwollen“; der Auftritt eines charismatischen Protagonisten „mit dem gewissen Etwas“…! Das ist für mich Erotik! Und das Beste daran: Niemand ist nackt!

Bestimmt gibt es noch weitere Zutaten, die ich mir ungern auf der Zunge zergehen lassen möchte, aber um dies zu beurteilen, müsste ich sie erst gekostet haben. Es bleibt spannend…!

…und mit welchen Zutaten wird Euch ein literarisches Menü verleidet???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

Vorlesewettbewerb 2018/19: And the winner is…

Irgendwie ist es wie bei „Dinner for One!“ – The same procedure as every year!

Es ist an einem Abend im Februar. In der „schatulle“ sitzen neben mir Iris Belz, Leiterin der Stadtbibliothek und Heinz Höllings, Lesepate an verschiedenen Schulen. Wir alle 3 haben Klemmbretter mit Bewertungsbögen auf den Knien. Vor uns sitzen 9 Jugendliche, die den Mut hatten, sich dem Vorlesewettbewerb auf Kreis-Ebene zu stellen und haben ihre „Freunde“ mitgebracht: Elizabeth aus dem Winterhaus, Greg mit seinen Tagebüchern, Young Sherlock Holmes, Lola und der Herr der Diebe sind heute auch in dieser Buchhandlung zu Gast.

Wir bekommen eine bunte, wilde und abwechslungsreiche Reise durch die Jugendliteratur geboten – mit ebenso abwechslungsreichen Darbietungen. Großartig!

Der Ablauf ist seit Jahren identisch: Die Kids müssen 2 Runden absolvieren. In der ersten Runde stellen sie innerhalb von 3 Minuten einen Auszug aus ihrem Wahlbuch incl. einer erklärenden Einleitung vor. Die Jury entscheiden dann über Lesetechnik, Interpretation und Textstellenauswahl. Bei der zweiten Runde erhalten die Kids einen ihnen unbekannten Text und werden von der Jury in Lesetechnik und Interpretation bewertet. Dann zieht sich die Jury zur Beratung zurück, zählt die jeweils vergebenen Punkte zusammen und diskutiert manchmal durchaus kontrovers, bis dann endlich die/ der Sieger*in feststeht und bekanntgegeben werden kann.

Clara Serin Schmidt gewinnt mit ihrem gekonnten Vortrag aus „Honigkuckuckskinder“ von Andreas Steinhöfel und ihrer souveränen Leistung beim Fremdtext absolut verdient diesen Kreis-Entscheid und darf sich nun auf Bezirksebene messen. Gratulation!

Ich genieße wieder die entspannt-lockere Atmosphäre und den sehr netten Austausch mit meinen Mit-Juror*innen…

…und fühle mich wieder bestätigt:

Bevor das Buch „ausstirbt“, friert die Hölle zu!!! 😈

P.S.: Hier geht es zu den Zeitungsberichten: Osterholzer Kreisblatt / Osterholzer Anzeiger

[Operette] Emmerich Kálmán – DIE HERZOGIN VON CHICAGO / Stadttheater Bremerhaven

Operette von Emmerich Kálmán / Libretto von Julius Brammer und Alfred Grünwald

Premiere: 9. Februar 2019 / besuchte Vorstellung: 28. Februar 2019

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


Musikalische Leitung: Hartmut Brüsch
Inszenierung: Felix Seiler
Choreographie: Andrea Danae Kingston
Bühne & Kostüme: Barbara Bloch

Choreinstudierung: Mario Orlando El Fakih Hernández


Wie? Sie waren noch nie in einer Operette? Dann werde ich ihnen mal eben die Handlung skizzieren,…

Sie lernen sich kennen! Sie verlieben sich! Sie trennen sich! Sie finden wieder zueinander! Sie leben glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende! ENDE!

…und diese Zusammenfassung lässt sich auf nahezu ALLE Operetten übertragen!

Aber wer eine Operette wegen der intellektuellen Herausforderung besucht, ist schlicht und ergreifend am falschen Platz. Operette ist bestenfalls ein locker-leichtes Soufflé mit herrlicher Süße und zartem Schmelz (Nährwert: Fehlanzeige, Wohlfühlfaktor: reichlich).

In diesem Fall trafen wir auf Emmerich Kálmáns lang verschollene und darum selten gespielte Operette „Die Herzogin von Chicago“. Wie der Titel es schon erahnen lässt, trifft hier die neue auf die alte Welt, die Moderne auf die Tradition und der Charleston auf den Csárdás. Kálmáns Musik ist voller ironischer Zitate: Ich saß im Publikum und amüsierte mich über die versteckten Anspielungen an seine damaligen Kollegen der E- und U-Musik.

Das Stadttheater Bremerhaven bot in der Inszenierung von Felix Seiler vieles für Auge und Ohr: die Kulissen glitzerten, die Kostüme funkelten, die Sänger*innen „gaben dem Affen Zucker“ (Hier wurde sehr zur Freude des Publikums schamlos übertrieben!), die Tänzer*innen vom Ballett tanzten famos, und das fulminant aufspielende Philharmonische Orchester unter dem Dirigat von Hartmut Brüsch schmachtete durch die wunderbaren Melodien (Schon allein die Ouvertüre hätte ich gerne ein 2. Mal gehört).

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Selten habe ich ein so komödiantisch aufgelegtes Opern-Ensemble gesehen – allen voran das Buffo-Paar mit Victoria Kunze (Prinzessin Rosemarie) und MacKenzie Gallinger (James Jonny Jacques Bondy), während das „seriöse“ Paar bestehend aus Tijana Grujic (Miss Mary Lloyd) und Christopher Busietta (Sándor Boris) sich mit Schmelz durch die Arien sang. Schauspieler John Wesley Zielmann brillierte wieder mit seinem perfekten Timing für Komik. Das Ballett-Ensemble absolvierte in der abwechslungsreichen Choreografie von Andrea Danae Kingston eine Tour de Force und meistert diese mit Bravour!

Mit einer Melodie im Ohr machten wir uns auf den Heimweg: Ob es nun ein Charleston oder ein Csárdás war, ist doch völlig egal. Denn: „…so ein Charleston ist doch gar nix anderes als amerikanischer Csárdás!“

Definitiv: „BEST OF SCHMALZ“


DIE HERZOGIN VON CHICAGO swingt noch bis zum Ende dieser Spielzeit über die Bühne des Stadttheaters Bremerhaven!

[Rezension] Rainer Moritz – Leseparadiese: Eine Liebeserklärung an die Buchhandlung

Dass Rainer Moritz ein exzellenter Plauderer ist, war mir bekannt. Dass Rainer Moritz über einen großen Wissensschatz verfügt, war mir bekannt. Dass Rainer Moritz Humor besitzt, war mir auch bekannt…!

Nun hat er alle diese Eigenschaften in diese Lobhudelei auf die vielgescholtenen, inhabergeführten Buchhandlungen einfließen lassen. Er beginnt mit einer Reise zu den Buchhandlungen seiner Kindheit und Jugend und verführt mich als Leser, ebenso einen Rückblick in die eigene Vergangenheit zu wagen.

Dabei wirft er einen kritisch-ironischen Blick auf die Spezies „Buchhändler“ und deren natürliches Territorium „Buchhandlung“, benennt offen „Wie es nicht sein sollte!“ – sei es im Umgang mit den Kunden, in der Gestaltung des Geschäftes oder der Wahl des „Non Book“-Sortiments – hebt aber auch innovative Werbe-Ideen und Aktionen hervor.

Er macht mit uns einen Streifzug durch die schönsten Buchhandlungen der Welt, die nicht nur in Hamburg, Paris, London oder Maastricht zu finden sind. Auch kleinere Buchhandlungen werden wohlwollend erwähnt, und ich muss zu meiner Schande gestehen: Ja, ich habe vorgeblättert! Warum: Weil Rainer Moritz in seiner Lobhudelei auch die Buchhandlung meines Vertrauens bedacht hat. Da konnte ich einfach nicht abwarten!

Er lamentiert über Sinn, Zweck und Notwendigkeit von Lesungen sowie dem Wechselspiel zwischen Autor, Buchhändler und Zuhörer und liefert kurioses von allen Fronten. Dabei versuchte er diesem Phänomen „Autorenlesung“ auf den Grund zu gehen (Unsere Freunde in den Nachbarländern kennen Lesungen nicht: Dort treffen Literaturaffine und Autoren bei Signierstunden und Diskussionsrunden aufeinander.). Nur um im nächsten Kapitel die provokante Frage, ob Lesen glücklich macht (Jeder Buch-Blogger wird enthusiastisch „Ja!“ schreien.), zu stellen: Diese Frage wird selbstverständlich von ihm kompetent und unterhaltsam bissig-ironisch selbst beantworten.

Der Abschluss bildet das Kapitel „Die Buchhandlung – ein geistiger Raum?“ aus dem ich gerne einen Satz zitieren möchte, der auch als Quintessenz dieser Abhandlung gelten könnte:

„Wir machen Erfahrungen des Lesens, und das sind damit Erfahrungen des Lebens.“

Mit diesem kurzweiligen Büchlein lässt Rainer Moritz uns seine Liebe zum Buchhandel spüren und an seiner nie versiegenden Leidenschaft für das Buch teilhaben.

Aber was können wir auch anderes vom Leiter des Literaturhauses Hamburg erwarten: Er ist halt parteiisch! 😉


erschienen bei Sanssouci/ ISBN: 978-3990560495

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

MONTAGSFRAGE #25: Machst du auch beruflich etwas mit Büchern oder könntest du dir das irgendwann einmal vorstellen?

Montagsfrage (1)

„Ha! Das ist ja einfach!“, dachte ich und haute meine Antworten in die Tastatur:

Nein! und Nein!

Fertig!

Aber dann öffneten sich an meiner Erinnerungs-Kommode wieder einige Schubladen und schütteten ihre Inhalte wieder hemmungs- sowie wahllos und vorallem rücksichtslos über mich aus!

Ja! – es ist richtig, dass ich – Nein! – nichts beruflich mit Büchern mache! Ja! – es ist richtig, dass ich – Nein! – mir das nicht irgendwann einmal vorstellen könnte!

Aber es gab eine Zeit, da hätte ich es mir vorstellen können: Knapp 16-jährig musste ich mir die ersten Gedanken bzgl. meiner Berufswahl machen. Da dachte ich, dass ich mich am besten mit Dingen umgebe, die ich am meisten liebe und wollte Bücher in einer Buchhandlung verkaufe. Dabei sollte es  nicht irgendeine Buchhandlung sein – Nein! – es musste die Buchhandlung Weise in meinem Heimatort sein, die zu diesem Zeitpunkt der schönste Ort auf der Welt für mich war (Der zweit-schönste Ort auf der Welt war für mich unsere Gemeinde-Bücherei!).

Von meinen Eltern erntete ich eher Unverständnis und Spott: Ich solle etwas „vernünftiges“ machen! Eine ähnliche Reaktion erntete ich von meinen Erzeugern ein paar Jahre später, als ich mich ernsthaft für Schauspiel und Gesang interessierte: Da sollte ich doch lieber etwas „anständiges“ machen.

Leider hat sich mir bis heute nicht erschlossen, was an beiden Berufen nun un-vernünftig und un-anständig ist, aber als folgsamer Sohn, der ich damals noch war, habe ich mich gefügt und bin stattdessen zuerst Industriekaufmann und dann Krankenpfleger geworden. Und somit musste die Welt auf einen großartigen Buchhändler oder einen begnadeten Schauspieler verzichten.

Beides kombiniere ich nun in meinen Hobbies: Auf meinem Blog versuche ich gute Bücher unter die Menschheit zu bringen, und bei meinen Lesungen tobe ich mich darstellerisch aus.

Meine Eltern konnten meine spätere „Karriere“ nicht mehr verfolgen. Ich bin deswegen nicht traurig,  hegen ihnen gegenüber aber auch keinen Groll mehr.

Eine Traurigkeit (gepaart mit Dankbarkeit) überkommt mich, wenn ich an meinen Großvater denke: Er hat mich und meine Talente immer unterstützt, war die Konstante in unserem unsteten Leben und hat mir viele Werte auf meinen Lebensweg mitgegeben, die auch heute noch Gültigkeit für mich besitzen. Gerne hätte ich ihn noch ein wenig länger an meiner Seite gehabt.

Diedrich Heinrich Friedrich Müller: Du konntest meinen Werdegang leider nicht mehr miterleben, aber ich bin mir sehr sicher, Du wärst auf mich stolz!!! 💖

…???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Georg Möller – Und immer wieder mein Garten: Schriftstellerinnen über ihre besondere Beziehung zum Garten/ mit Fotografien von Gary Rogers

Der Monat März steht vor der Tür und somit wartet auch die Arbeit in unserem Garten auf mich: So sehr ich im Herbst das Ende der Garten-Saison herbeisehne, um endlich von den lästigen Pflichten des Rasenmähens und Unkrautzupfens befreit zu sein, so sehr drängt es mich im Frühjahr wieder nach draußen in die Natur…!!!

Der Mensch und seine Liebe zum eigenen Garten: Jeder verbindet mit ihm etwas sehr persönliches – für den einen ist es ein Nah-Erholungsgebiet zur Entspannung, dem anderen dient er zur Inspiration, und der nächste braucht die körperliche Tätigkeit zur inneren Einkehr…!

Im vorliegenden Buch wurden nun 12 Schriftstellerinnen nach ihren Beziehungen zu ihren Gärten befragt. Herausgekommen sind 12 sehr persönlich gefärbte Portraits u.a. von Ulla Hahn, Charlotte Link, Ildikó von Kürthy, Rita Falk und Ingrid Noll.

Die Damen öffnen buchstäblich ihre Gartenpforten und lassen in ihre Refugien blicken. Dabei gewähren sie einen Einblick in ihr Privat-Leben, berichten über ihre Kindheitserinnerungen und schildern den Einfluss des Gartens auf die schriftstellerische Tätigkeit.

Georg Möller schenkt jeder Dame einen Leit-Artikel und lässt sie danach in Form eines Interviews zu Wort kommen. Abgerundet werden die Portraits durch einen persönlichen Text der jeweiligen Schriftstellerin. Die meist kleinformatigen Fotos von Gary Rogers geben einen Eindruck über die Gärten. Wer hier allerdings Ansichten à la Garten-Hochglanzmagazine erwartet, der wird enttäuscht werden: Die Gärten wirken vielmehr unvollkommen, organisch gewachsen und authentisch.

Dieses Buch ist weniger für den passionierten Gartenfreund gedacht als vielmehr für die Fans der Schriftstellerinnen, die sich über einen voyeuristischen aber respektvollen Blick in deren Privatsphäre freuen können.

erschienen bei Deutsche Verlags-Anstalt/ ISBN: 978-3421040633

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

Weiterführende Literatur: Ulla Lachauer ist mit Der Akazienkavalier eine wunderbare, literarische Abhandlung über Menschen und ihrer Liebe zu Gärten gelungen. Lesenswert!

[Ausstellung] EINFACH GUT. Design aus Dänemark / Wilhelm Wagenfeld Haus Bremen

Dänisches Design erfreut sich ungebrochen großer Beliebtheit. Doch was macht diese Faszination aus. Die Ausstellung im Wilhelm-Wagenfeld-Haus geht diesem Phänomen auf die Spur und blickt zurück auf 70 Jahre dänischer Design-Geschichte.

„Niemals so avantgardistisch, dass man nicht ordentlich sitzen könnte!“

Bezieht sich diese Aussage ursprünglich auf die vielfältigen Sitzgelegenheiten, könnte dieses Credo auch für alle gezeigten Design-Stücke gelten: Zweckmäßig sollte es sein aber auch ansprechend und formschön. Erschwinglich sollte es sein aber auch gutverarbeitet und von hoher Qualität. So machten die dänischen Designer aus der sprichwörtlichen Not eine Tugend, arbeitete mit den Materialien, die sie vor Ort vorfanden und schufen somit schon ab den 40er Jahren Gegenstände für den täglichen Gebrauch, die weiterhin eine erstaunliche Modernität ausstrahlen.

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Pfauenstuhl, Designer: Hans J. Wegner; Foto: Jürgen Hans

So findet die Stelton-Isolierkanne von Designer Erik Magnussen aus dem Jahr 1976 ebenso ihren Platz in dieser Ausstellung wie das wunderschöne Ess-Service mit dem Dekor „Musselmalet“ (wörtlich übersetzt: muschelgemalt) von der Königlich Dänischen Porzellanmanufaktur „Royal Copenhagen“, das,  erstmals im Jahre 1775 hergestellt, 1885 überarbeitet wurde und seitdem als ur-dänisches Service gilt.

Auch die gezeigten Sitzgelegenheiten ließen mich staunen und weckten meine Begehrlichkeit: Ich stand vor einem originalen Pfauenstuhl und überlegte, wo er am besten in unserer Wohnung zur Geltung kommen könnte.

Bis es soweit ist, werde ich mich mit den erschwinglicheren Designer-Stücken begnügen müssen: Voller Ehrfurcht habe ich mir gerade einen Kaffee aus unserer roten Stelton-Kanne in die Tasse gegossen.


Die Ausstellung EINFACH GUT. Design aus Dänemark ist noch bis zum 22. April 2019 im Wilhelm Wagenfeld Haus in Bremen zu bewundern.

[Rezension] Rex Stout – DER ROTE STIER. Ein Fall für Nero Wolfe

„Gestatten, mein Name ist Archie Goodwin, und ich bin vielgeplagter und leidgeprüfter Assistent vom grandiosen Privatschnüffler Nero Wolfe. Diesmal waren wir auf dem Weg zur Landesshow in Crowfield, wo mein Boss seine geliebten und umhegten Orchideen der Jury präsentieren wollte. Leider sind wir auf dem Weg dorthin mit dem Wagen vom Weg abgekommen, wurden dann von einem wilden Stier über eine Weide gejagt, stolperten mitten hinein in Familien-Zwistigkeiten „par excellence“, nur um es dann nicht mit einer, nicht mit zwei – Nein! – sondern gleich mit drei Leichen (Ich habe den armen Stier mitgezählt!) zu tun zu haben. Aber Nero Wolfe wäre nicht der grandiose Schnüffler für den ihn die Welt und er sich selbst hält, würde er nicht auch dieses Geheimnis lüften. Naja! – und da ich weder auf den Mund noch auf den Kopf gefallen bin, war ich bei der Lösung auch nicht ganz unbeteiligt…!“

NERO WOLFE IS BACK!!!

…und ich kann nur dazu sagen: zu Recht!!!

Rex Stouts Helden machen Spaß. Ich verwende bewusst das Plural: Neben dem feingeistigen Feinschmecker und gewieften Detektiv Nero Wolfe steht sein Assistent Archie Goodwin ihm in nichts nach. Hier haben wir es nicht nur mit einem Assistenten/ Partner zu tun, der immer einen Schritt hinter dem großen Kriminologen agiert, wie wir es z. Bsp. bei Sherlock Holmes und Doktor Watson oder auch bei Hercule Poirot und Captain Hastings kennen. Archie ist – wie er es schon erwähnte – „weder auf den Mund noch auf den Kopf gefallen“ und leistet seinen nicht unerheblichen Anteil zur Lösung des Falls. Zudem werden die Vorfälle ausschließlich aus seiner Sicht erzählt: Wer nun befürchtet, dass dies lang-atmig wie auch -weilig werden könnte, den kann ich beruhigen.

Stout gefiel mir mit abwechslungsreichen Dialogen voller Witz aber auch Dramatik ebenso, wie mit seiner erfrischenden und ironischen Personenzeichnung. Es amüsierten mich sehr die kleinen Feinheiten in der Charakterisierung der Personen, z.Bsp. dass Feinschmecker Nero Wolfe Wein verschmäht und einem gut gekühlten Bier den Vorrang gibt. Zudem schafft er es – auch mit Hilfe der Dialoge – einen Spannungsbogen aufzubauen, der ihm die Aufmerksamkeit seiner Leser*innen sichert.

Krimi-Klassiker sind darum zu Klassikern geworden, da sie originelle Charaktere, eine gut durchdachte Handlungen und eine sprachliche Qualität besitzen!

Dies war zwar mein erstes Zusammentreffen mir Nero Wolfe und Archie Goodwin – aber mit Sicherheit nicht mein letztes!!!

erschienen bei Klett-Cotta/ ISBN: 978-3608981124

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Noch ein Gedicht…] Rainer Maria Rilke – VORFRÜHLING

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung
an der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,

greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit ins Land und zeigens.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.

Rainer Maria Rilke

MONTAGSFRAGE #24: Wie sehr wirst du vom Coverdesign eines Buches zum Kauf beeinflusst?

Montagsfrage (1)

Ich bin absolut sinnlich,…

…und das meine ich nicht nur in Bezug auf meine Rundungen: Nein! – Ich nehme meine Umwelt sehr deutlich über meine Sinne wahr, was ich nicht bewusst steuere. Es ist (leider!?) einfach so!

In der Wäscheabteilung eines Kaufhauses streiche ich immer über die Stoffe, im Frühling stehe ich vorm Fliederbusch und halte die Nase in die Blütendolden, bei einem guten Essen mache ich vor lauter Wonne Geräusche, und bei guter Musik und virtuosem Gesang schmelze ich dahin. Leider hat diese – Kann ich es so nennen? – Übersensibilisierung zur Folge, dass mich das Gegenteil vom oben genannten extrem stört, wenn nicht gar belastet (10 Minuten einer Castingshow sind für mich eine Tortur: Ich höre jeden falschen Ton!) und mitunter Migräne zur Folge hat.

Aber so reagiere ich ebenso extrem auf optische Anreize: Ein wunderbares Buchcover zieht mich magisch an und verführt mich eher, mich mit dem Inhalt des Buches zu beschäftigen. Wie hypnotisiert wandert dann meine Hand zu diesem Buch, in der Hoffnung, einen neuen Leseschatz zu entdecken und dann zu heben. Welche große Enttäuschung spüre ich, wenn der Inhalt nicht das hält, was das Cover versprochen hat und lasse dann die Finger davon. Bei Büchern ist es wie bei Menschen: Eine hübsche Optik täuscht dauerhaft nicht über einen mangelhaften Inhalt hinweg. Dafür lassen die „inneren Werte“ mit ihrer Substanz ein unscheinbares Äußeres schnell vergessen und zur Nebensächlichkeit werden!

Lesen – und damit meine ich das klassische Lesen mit einem echten Buch in der Hand – ist für mich sowieso eine Freude für (beinah) alle Sinne. Meine Hand streichelt über den Einband, der in Leinen gebunden ist und vielleicht sogar eine Prägung besitzt. Ich öffne das Buch, das mit leisem Rascheln seinen Inhalt offenbart. Dabei steigt mir der Duft des Papiers in die Nase, während meine Augen zu den ersten Sätzen wandern. Nur abgeschleckt habe ich bisher noch kein Buch! Wäre das nicht eine geniale Idee für einen findigen Tüftler?

…ja oder nein: Lasst Ihr Euch durch die Optik verführen???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.