
Schlagwort: Agatha Christie
[Rezension] Agatha Christie – Die Büchse der Pandora. Kurzkrimis mit Tommy und Tuppence
Da ist es ja wieder – unser kriminalistisches Duo, unsere „Partners in Crime“, unser pfiffiges Pärchen mit Spürnase, Klasse und Esprit. Diesmal machen wir mit ihnen eine Reise in die Vergangenheit: Waren wir mit Lauter reizende alte Damen schon im Jahre 1968 gelandet und durften die Beiden als gereiftes Paar beobachten, so werfen wir nun einen Blick zurück ins Jahr 1929.
Tommy und Tuppence Beresford sind frisch verheiratet und chronisch gelangweilt. Da kommt ihnen der verlockende Auftrag vom britischen Geheimdienst nur allzu recht, inkognito eine Detektei zu übernehmen. Der ursprüngliche Eigentümer erholt sich gerade während eines Urlaubs auf Staatskosten und scheint seine Detektei als Briefkasten für feindliche Spione genutzt zu haben. Um dies auf den Grund zu gehen, schlüpft Tommy in die Rolle des Leiters dieser internationalen Detektivagentur Mr. Theodore Blunt, während Tuppence seine tüchtige Sekretärin Miss Robinson mimt. Ihr besonderes Augenmerk sollen sie auf eine dubiose Korrespondenz legen – insbesondere auf blaue Briefumschläge mit russischer Marke. Doch diese Post lässt auf sich warten, und so lösen die detektivischen Fachkräfte so ganz nebenbei auch einige „reguläre“ Fälle. So suchen sie u.a. nach einer Erklärung für scheinbar paranormale Phänomene in einem alten Haus, spüren eine vermisste Ehefrau in einer delikaten Institution auf, überprüfen nicht nur eins sondern gleich zwei Alibis ein und derselben jungen Dame und rätseln über einen vertauschten Diplomatenkoffer. Diese interessanten wie skurrilen Fälle sind aber gänzlich harmlos im Vergleich zu dem Abenteuer, das sie erwartet, als sie plötzlich tatsächlich einen blauen Brief mit der Post erhalten…!
Agatha Christie ließ ihr gewieftes Detektiv-Paar nicht nur in vier Romanen (zwischen deren Erscheinen teilweise Jahrzehnte lagen) auf Verbrecherjagd gehen, sondern gönnte ihnen ebenfalls eine Sammlung unterhaltsamer Kurzkrimis, die nun endlich wieder im neuen Gewand erschienen sind. Dabei legte sie bei diesen Geschichten den Schwerpunkt eher auf das kurzweilige Rätselraten als auf die „das Blut in den Adern gefrierende“ Spannung. So kann sich die verehrte Leserschaft auf so manchen herrlichen verbalen Schlagabtausch unserer beiden sympathischen Protagonisten freuen, die sich die Bälle nicht nur geschickt zuspielen, sondern je nach Auftrag auch gerne alle Bälle in der Luft behalten. Dabei agieren beide – wie gewohnt – auf Augenhöhe und demonstrieren eine äußerst emanzipierte Partnerschaft, wie sie zur Entstehungszeit der Geschichten höchstwahrscheinlich selten in der Realität zu bewundern war.
Gerne ziehen sie dabei die jeweils passenden Klassiker des Genres zu Rate und versuchen, sich in die erdachten Personen von weltberühmten Krimiautoren wie Edgar Wallace, G. K. Chesterton, Arthur Conan Doyle & Co. hineinzuversetzen, um so von deren „Spiritus Rector“ zu profitieren. Bei der Lektüre der letzten Geschichte Der Mann, der Nummer 16 war brach ich in schallendes Gelächter aus, da diesmal Tommy und Tuppence ihre Inspiration beim kleinen, pedantischen Belgier mit den genialen grauen Zellen suchten. Die „Queen of Crime“ nahm somit sich selbst höchst humorvoll „auf die Schippe“. Chapeau!
Ein bisschen Irritation verursachte bei mir die Aufteilung der Kapitel: So sind die meisten Geschichten jeweils unter einem Titel in zwei Kapitel unterteilt, die deutlich mit I und II gekennzeichnet sind. Bei drei Geschichten sind die einzelnen Kapitel jeweils mit einem eigenen Titel versehen, im Inhaltsverzeichnis entsprechend notiert und hinterlassen so den Eindruck, als wären sie eigenständige Geschichten. Somit beinhaltet diese Sammlung nicht 17 sondern „nur“ (!) 14 Kurzkrimis. Da hätte ich mir bei dieser überarbeiteten Wiederveröffentlichung ein wenig mehr Sorgfalt beim Editieren der Texte gewünscht.
Doch abgesehen von diesem klitzekleinen Wehrmutstropfen haben wir es hier (meines Wissens) mit der vollständigsten Sammlung der Beresford-schen Kurzkrimis zu tun, die mir ein überaus kuschliges Lesevergnügen schenkte.
erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455012064
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!
[Rezension] Agatha Christie – Das Geheimnis von Sittaford
Auf dem Landsitz Sittaford House haben die Mieterinnen des Anwesens Mrs. Willett und Miss Violet (Mutter und Tochter) ihre wenigen Nachbarn zum Tee geladen. Während außerhalb des Hauses ein ungemütlicher Schneesturm wütet, vertreibt sich die Gesellschaft in dessen Inneren die Zeit mit einer Séance. Alle reagieren überrascht bis bestürzt als bei diesem anfangs als Albernheit verspotteten Tischrücken scheinbar tatsächlich eine Nachricht aus dem Jenseits sie erreicht: Der Tod von Captain Joseph Trevelyan wird angekündigt. Der Captain ist der eigentliche Hausherr von Sittaford House, der das Anwesen über die Wintermonate an die Willetts vermietet und sich somit selbst vorübergehend in einem kleinen Haus in der Ortschaft Exhampton einquartiert hat. Einer der anwesenden Gäste Major Burnaby sorgt sich um seinen Freund Trevelyan und macht sich auf den beschwerlichen Weg nach Exhampton. Dort findet er den Captain in seinem Haus erschlagen vor. Der tüchtige Inspector Narracott nimmt die Ermittlungen auf und findet auch schnell einen Verdächtigen: James Pearson, der Neffe des Opfers, war zur fraglichen Zeit vor Ort und hätte auch durchaus ein Tatmotiv. Zudem verstrickt er sich in Widersprüche. Alles scheint perfekt, würde die Verlobte des Tatverdächtigen sich nicht ständig einmischen und eigene Ermittlungen anstellen: Emily Trefusis ist eine äußerst patente junge Dame, die mit einem bewundernswerten Selbstbewusstsein immer wieder die Wege des Inspectors (durch)kreuzt…!
Wie sehr ich Mrs. Christie verehre, habe ich schon vor beinah genau 2 Jahren bei Die Bücher meines Lebens verlauten lassen, und diese Verehrung ist nach wie vor ungebrochen. Auch in diesem Fall bescherte sie mir ein wohlig-warmes Lese-Vergnügen. Einerseits kann ich mir sicher sein, dass sie ein Garant für vergnügliche Lesestunden ist, da ich einschätzen kann, was mich erwartet. Andererseits schafft sie es trotzdem, mich immer wieder mit einem „Plot-Twist“, einer unerwarteten Wendung in der Handlung, und ihrer interessanten Charakterzeichnung des Handlungspersonals zu überraschen.
Natürlich (!) ist der offensichtlich Verdächtige nicht der Täter – Das wäre ja auch viel zu einfach! – vielmehr heftete ich mich als Leser mit Vergnügen an die Fersen unserer jugendlichen Heldin auf der Suche nach dem wahren Mörder (Aber vielleicht war hier ja auch eine Mörderin am Werk!).
Apropos: Christie war da immer sehr großzügig bei der Verteilung für die Rolle der Übeltäterin/ des Übeltäters und zeigte keine nennenswerte Präferenz zu nur einem Geschlecht. Vielmehr erstaunte sie mich auch diesmal, da sie schon im Jahre 1931 sowohl für die Haupt- wie auch Neben-Charaktere vielfältige Frauen-Porträts entwarf, die autark und selbstbestimmt agieren und weit entfernt vom gängigen Klischee der damaligen Epoche sind.
Diese Frauen nehmen durchaus gerne die Hilfe eines „Ritters in glänzender Rüstung“ in Anspruch, könnten ihr Leben aber auch spielend „ohne“ bewältigen. Sie sind sich ihrer Weiblichkeit durchaus bewusst und setzten diese – natürlich im schicklichen Maße – für ihre Zwecke ein. Dabei vermeidet Christie bei ihrer Charakterisierung auf eine Eindimensionalität – vielmehr sind ihre Heldinnen durchaus ambivalent zu betrachten, da sie positive wie negative Eigenschaften in sich vereinen.
Ähnlich wie bei Lucy Eyelesbarrow in 16 Uhr 50 ab Paddington bedauerte ich auch hier sehr, dass es keinen weiteren literarischen Auftritt von Emily Trefusis gab. Beide Ladies hätten durchaus Potential für ein längeres Leben gehabt…!
erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455011845
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!
MONTAGSFRAGE #135: Bevorzugst Du lieber Roman-Reihen oder eher in einem Band abgeschlossene Geschichten?
Ohje, ich fürchte, dies wird wieder eine von diesen „Sowohl-als-auch“-Antworten, bei der man (also: ich) dem Schwadronieren verfällt, und wo man (also wieder: ich) kein Ende findet. Na denn, auf geht’s…!
Ich liebe…
…Roman-Reihen: Was wäre ich ohne meine liebgewonnenen und verehrten Heldinnen und Helden, die sich – bei mir vornehmlich – in kriminalistischen Gefilden tummeln, mir Stunden der Zerstreuung schenkten und so über so manchen emotionalen Tiefpunkt hinweg halfen. Mein Leben wäre um einiges Ärmer, hätte ich nicht irgendwann die Bekanntschaft mit Hercule Poirot, Miss Marple, Kommissar Maigret, Flavia de Luce, Dr. Siri, Cormoran Strike und Nero Wolfe gemacht.
Ich liebe…
…in einem Band abgeschlossene Geschichten: Was wäre ich ohne meine liebgewonnenen und verehrten Heldinnen und Helden, die sich in ganz unterschiedlichen Ländern und sozialen Milieus tummeln, mir Stunden der Zerstreuung schenkten und so über so manchen emotionalen Tiefpunkt hinweg halfen. Mein Leben wäre um einiges Ärmer, hätte ich nicht irgendwann die Bekanntschaft mit Ruthchen, Alexander, Leo, Laila und Gertrud, Agathe und einem namenlosen Buchhändler gemacht.
Der Text kommt Euch irgendwie bekannt vor? Ist doch logisch: Formal betrachtet mache ich keine Unterschiede zwischen diesen beiden Extremen. Beide sind mir gleich lieb und teuer. Beide haben einen hohen Stellenwert in meinem Leser-Leben. Beide haben „für jetzt und immerdar“ einen Platz in meinem Bücherregal.
Während ich bei der Serie (wie könnte es auch anders sein) am Ende einer Geschichte der Fortsetzung entgegenfiebere, und es kaum abwarten kann, bis der nächste Bande erscheint, habe ich bei Einzel-Büchern noch nie den Wunsch nach einem Nachschlag verspürt. Schließlich ist der Plot dieser Romane ja auch so aufgebaut, dass er ein „mehr“ nicht benötigt: Alles wurde gesagt, und das ist gut so. Oder: Alles wurde nicht gesagt, vieles blieb unausgesprochen, wage, in der Schwebe, aber auch dieser Umstand „ist gut so“.
Besonders dieses kurze Hineinspringen in eine Geschichte übt für mich immer einen besonderen Reiz aus. Als vorübergehender Gast nehme ich für einen klar begrenzten Zeitraum Anteil am Leben meiner Protagonist*innen. Genauso plötzlich wie ich in eine Geschichte hineinpurzel, genauso plötzlich werde ich aus ihr wieder hinauskatapultiert. Dabei kann ein solch abrupter Abschied durchaus ein Wechselbad an Gefühle bei mir auslösen, mich in einer melancholischen Stimmung zurücklassen oder meine Sinne verwirren. Hach, wie schön, dass das Lesen von Büchern so etwas erreichen kann!
Bei den Serien fühle ich mich emotional auf der sicheren Seite: Ich kenne „meine“ Leute, kann sie einschätzen und weiß, was mich erwartet. Und doch können und dürfen Überraschungen mich gerne aus dem Konzept bringen und verdutzt aus der Wäsche gucken lassen. Doch die Rahmenbedingungen sind mir bekannt und versprechen Sicherheit. Dafür freue ich mich immer wieder auf ein Wiedersehen (Naja, eher Wieder-Lesen…!). Beinah ist es so, als würden alte Freunde wieder auf einen Besuch bei mir vorbei schauen, gute Laune verbreiten und mich erst wieder verlassen, wenn meine Seele ausreichend gestreichelt wurde. Und auch hier: Hach, wie schön, dass das Lesen von Büchern so etwas erreichen kann!
Uups, jetzt habe ich es ja doch gefunden: das…
ENDE
…Einzelkind oder einen ganzen Stall voller Geschwister? Was ist Euch lieber???
Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!
In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.
Literarische Helden…

[Rezension] Agatha Christie – Der seltsame Mr Quin. Kriminalistische Erzählungen
„Ein seltenes Vergnügen.“
The New York Times
…lautete das Urteil damals im Jahre 1930 als diese Sammlung von kriminalistischen Erzählungen erstmals in den USA erschien. Und diesem Urteil kann ich mich zumindest in Teilen anschließend: Agatha Christie hat nach dem besagten Jahr so viele brillante Kriminalromane verfasst, dass ich heute im Vergleich zu anderen Werken den Begriff „selten“ nicht unbedingt verwenden würde. Doch ein „Vergnügen“ war diese Lektüre für mich auf jedem Fall…!
Mr Sattersway ist ein ältlicher, wohlhabender, doch beinah unauffälliger Mann. Mit einer snobistischen Freude sammelt er Bekanntschaften mit Adeligen, Künstlern und sonstigen Mitgliedern der High-Society. Dank seiner hervorragenden Beobachtungsgabe, einem untrüglichen Gespür und seinem Verständnis für die menschlichen Schwächen nimmt er jede Nuance im Zusammenspiel seiner Mitmenschen wahr. Denn genau so sieht er sich sehr gerne: Bei den stattfindenden Tragödien und Dramen in seinem Umfeld ist er „nur“ der unbeteiligte Zuschauer. Erst das Auftauchen seines geheimnisvollen Freundes Mr Quin scheucht ihn aus seiner Komfort-Zone und zwingt ihn, aktiv in das Geschehen einzugreifen, um so Schicksal für die betroffenen Menschen zu spielen. Und so lüftet Mr Sattersway – mit der (göttlichen) Fügung durch den seltsamen Mr Quin – so manches Mysterium, löst Verbrechen, verhindert (Selbst-)Morde, vertreibt die Geister der Vergangenheit und führt Liebende zusammen…!
Mrs. Christie ist doch immer wieder für eine Überraschung gut: So würde ich diese Erzählungen nicht unbedingt den klassischen Kriminalgeschichten zuordnen. Vielmehr schöpft sie aus verschiedenen Genres, lässt das Mystische und Übersinnliche ebenso in die Handlung einfließen, wie sie sich der Figuren der Commedia dell’arte bedient. Ihr seltsamer Mr Quin bewegt sich dem Harlekin gleich zwischen den Welten, springt von Ebene zu Ebene und tritt unvermittelt in Erscheinung. Bei seinen Auftritten erwartete ich beinah ein schelmisches „Da bin ich!“ zu hören. Gerne beschreibt die Autorin die Lichtverhältnisse der Szenerie so, als würde sein Anzug dem karierten Kostüm des Harlekins gleichen. Auch greift er nie selbst in die Handlung ein, bleibt geheimnisvoll im Hintergrund und überlässt den aktiven Part seinem verlängerten Arm Mr Sattersway. Dieser wird von Christie als ein zurückhaltender Beobachter porträtiert, der erst mit Auftauchen von Quin erahnt, dass sich in seinem Umfeld eine Tragödie anbahnt, die er mit Empathie zu verhindern versucht. Dabei bleibt Quin auch für ihn stets ein Rätsel, das ihn zwischen Gut und Böse, Recht und Unrecht, Wirklichkeit und Fiktion wandeln lässt, wobei die jeweiligen Grenzen oft verschwimmen.
Die Autorin lässt dieses ungewöhnliche Team in zwölf Erzählungen in Erscheinung treten, die beinah wie Vorläufer der heute recht beliebten Mystery-Thriller anmuten. Dabei waren ihr bei dieser Erzählform (zwangsläufig) Grenzen gesetzt: So wirkten manche Lösung durchaus vorhersehbar, und die eine oder andere Geschichte endete für mein Empfinden etwas abrupt. Doch diese Schwächen machte die Autorin charmant wieder wett, indem sie die Angehörigen der Upper-Class sowohl mit witzig-respektlosen Beschreibungen bedachte als auch pointierte Dialoge in den Mund legte.
So ist „Der seltsame Mr Quin“ nicht unbedingt der strahlendste Stern im Kosmos der „Queen of Crime“, aber durchaus eine Wiederentdeckung, die sich lohnt.
erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455010831
MONTAGSFRAGE #133: Sollten unfertige Manuskripte posthum veröffentlicht werden dürfen?
Mein Haupt sackte auf die Tatstatur meines PCs, und die willkürlich eingedrückten Tasten zauberten ein gar wundervolles wie auch verspielt wirkendes Muster auf dem WORD-Dokument, das bis dahin den Bildschirm ganz und gar jungfräulich ausfüllte. Vorangegangen war das Lesen der wöchentlichen MONTAGSFRAGE: Doch lesen ist nicht gleich verstehen! Irgendwie stand ich/etwas/irgendwer massiv auf einem Schlauch – dummerweise gehörte dieser Schlauch mir, und so war vorübergehend die Denkleistung blockiert.
Als alle meine neurologischen, arteriellen und venösen Zufahrtswege wieder passierbar waren, ich die Frage nicht nur gelesen sondern auch verstanden hatte, verspürte ich doch kurzfristig den Wunsch, die Hüterin der MONTAGSFRAGE ein wenig zu hauen. Die Frage klingt so, als müsste ich mich schon wieder intellektuell anstrengen. Darf’s nicht auch mal wieder eine lässig-locker-luftig-leichte Frage sein, wie „Lest ihr im Frühjahr aufgrund der aufkeimenden Frühlingsgefühle eher Liebesromane als im Herbst?“ oder „Sollte im Sommer aufgrund der vermehrten Schweiß-Produktion besser zum Hörbuch gegriffen werden als zur papierenen Variante?“ odersowasähnliches…?
Aber gut, wenn es denn unbedingt sein soll, dann halt diese Frage…!
Ehrlicherweise muss ich zugegeben, dass ich mich nicht erinnern kann, je das unfertige Manuskript eines Literaten, das nach dessen Tod erschienen ist, gelesen zu haben. Ich habe noch nicht einmal ein fertiges Manuskript, das posthum erschienen ist, gelesen. Selbst bei meiner hochverehrten und in diesem Jahr auf meinem Blog recht häufig erwähnten Lieblingsschriftstellerin habe ich mir dieses Vergnügen bisher versagt: Agatha Christie ließ bestimmen, dass der letzte Fall von Miss Marple „Ruhe unsanft“ erst nach ihrem Tode veröffentlicht werden durfte.
Aber selbst wenn ich die Praxis nicht vorweisen kann, wie stehe ich in der Theorie zu diesem Thema? Auch hier bin ich absolut ehrlich: Es ist mir schnuppe! Ja, vielleicht gehen uns dann einige großartige literarische Werke durch die Lappen. Doch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit verdanken diese unfertigen Werke doch gerade dem Umstand, dass sie posthum veröffentlicht wurden, oder? Wäre dies nicht passiert, hätten wir nichts gewusst, nichts vermisst und auch nicht das Gefühl, dass unser Leben an ein Stückchen Literatur ärmer wäre. Doch wo sie schon mal da sind, ist es für mich auch okay. Ich habe nicht den Anspruch, zu allem und jedem eine dezidierte Meinung haben zu müssen. Manches ist mir einfach schnuppe! Darum verzeiht mir bitte meine pragmatische Haltung zu diesem Thema.
Ach, gucke da: Da wurde ich heute intellektuell doch nicht überfordert. Glück gehabt!!! 😂
…???
Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!
In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.
MONTAGSFRAGE #132: Gibt es Bücher, die Euch sicher aus einer Leseflaute lotsen?
Normalerweise,…
Früher hätte ich bei einer solchen Gelegenheit gerne, hemmungslos und völlig unreflektiert das Wort „eigentlich“ verwendet. Doch ich versuche, möglichst Abstinenz zu bleiben, da „eigentlich“ so schwammig unkonkret nichtssagend daherkommt und Fakten vorgaukelt, die definitiv nicht vorhanden sind!
Also, wo war ich stehengeblieben…? Ach ja…!
Normalerweise,…
…wenn ich spüre, dass die Welle einer Leseflaute mich zu überrollen droht, stelle ich mich einfach tot und warte, bis diese Welle über mich hinweg geschwappt ist, um im Nachbargarten ihren Schaden anzurichten. Ein todesmutiges Aufbäumen meinerseits, indem ich mich der Flaute mit einem exzessiven Literaturkonsum entgegenwerfe, führte bisher eher zum gegenteiligen Effekt: Völlig lustlos habe ich mich jedwedem „Schwarz-auf-Weiß“ verweigert und so den Zeitraum der Rekonvaleszenz unnötig verlängert.
Um den Heilungsprozess zu unterstützen und eine Narbenbildung möglichst zu minimieren, greife ich gerne in den Tiegel mit dem „Christie“-schen Wundermittel und verteile eine üppige Portion „Poirot“ recht großzügig auf meine wunde, geschundene Seele, massiere diese mit „Beresford“-artigen Bewegungen ein und verbinde alles mit einer Mullbinde „Marple“.
Nicht ohne Grund zählt Dame Agatha Mary Clarissa Christie, Lady Mallowan, „Queen of Crime“ zu meinen favorisierten Autorinnen und hat den Reigen in meiner Rubrik Literaten im Fokus eröffnet. Dabei könnte ich Euch aus ihrem überaus reichlichem Oeuvre noch nicht einmal ein einzelnes Werk herauspicken: Sie wirken alle gleichermaßen! Selbst wenn ich für einen ihrer brillanten Kriminalromane noch zu geschwächt sein sollte, so kann ich mich auf die Wirksamkeit der homöopathischen Dosen der Erzählungen verlassen. Tröpfchen- bzw. seitenweise sickert das Gelesene in meinen Organismus und fördert so sanft die Genese.
Ein „Christie“ geht immer! Ein „Christie“ hilft immer! Ein „Christie“ tut mir einfach immer gut.
💖
…und wie umschippert Ihr eine Lese-Flaute???
Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!
In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.
MONTAGSFRAGE #131: Sind Euch Dialog oder Beschreibung in Büchern wichtiger?
Die Hüterin der MONTAGSFRAGE hat es in ihrem Beitrag schon sehr treffend formuliert: Viele Leser werden auf der oben genannten Frage mit „Beides!“ antworten. Und natürlich liegen sie mit dieser Aussage absolut richtig: Jedes zur rechten Zeit im nötigen Maße ist für eine gute Geschichte unerlässlich. Doch auf eine dieser entspannt-unaufgeregten und somit diplomatischen Antworten sollte die Frage gar nicht abzielen. Vielmehr implementiert es ein „Entweder-oder“ und kein „Sowohl-als-auch“. Also muss eine Entscheidung her,…
…und wenn ich ehrlich bin, dann sind mir zündende Dialoge wichtiger als detailreiche Beschreibungen. Vielleicht ist diese Wahl auch meiner Theater-Tätigkeit in der Vergangenheit geschuldet, wo das klassisches Textstudium mit Rolleninterpretation an der Tageordnung war. In einem Textbuch gibt es höchstens ein paar Beschreibungen des Settings und rudimentäre Regie-Anweisungen zu entdecken. Ansonsten entwickelt sich die Geschichte aus den Dialogen der Protagonisten und ihren emotionalen Bindungen zueinander.
Manche Autor*innen verlieren sich in ellenlangen Beschreibungen, die manchmal weder zur Schaffung von Atmosphäre noch zur Weiterführung der Handlung benötigt werden. Bestes oder vielmehr schlechtes Beispiel wäre das von mir verschmähte Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins von Milan Kundera und seine literarische Auseinandersetzung mit Exkrementen. Und selbst im von mir hochgeschätzten Epos Die Elenden von Victor Hugo „erfreut“ der Autor seine Leserschaft mit seitenweise Beschreibungen der Kanalisation von Paris: Ich habe diese Stelle immer übersprungen und bin mir sehr sicher, dass ich die Intension der Geschichte trotzdem begriffen habe.
Da lobe ich mir doch knackige, abwechslungsreiche und spritzige Dialoge, die tief in die Psyche des Handlungspersonals blicken lassen und der Leserschaft Raum für eigene Interpretationen bietet. Gerade diese Freiheit in der Interpretation macht für mich den besonderen Reiz bei der Auseinandersetzung mit Texten für die Bühne aus, wie ich am Beispiel von Christies Zeugin der Anklage schon erläutert habe. Auch zukünftig werden Theatertexte immer wieder einen Platz auf meinem Blog finden: So freue ich mich schon auf die Beschäftigung mit den Textbüchern zu „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ von Tennesee Williams und „Bunbury oder: Ernst sein ist wichtig“ von Oscar Wilde, die beide momentan noch ein Schläfchen auf meinem SuB machen.
Etwas salopp möchte ich meine Antwort wie folgt zusammenfassen: Wichtiger ist mir, was die Protagonisten zu sagen haben und nicht welche Muster ihre Pullis zieren! 😄
…viele Details oder viel Gesabbel? Was ist Euch wichtiger???
Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!
In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.
MONTAGSFRAGE #124: Suchst Du entsprechend Deiner aktuellen Stimmungssituation gezielt nach Büchern bestimmter Genres oder Autoren?
Nein, mein MONTAGSFRAGE-Schrei ertönte diesmal nicht! Obwohl es durchaus eine Frage ist, die einen Schrei verdient hätte – oder vielmehr: Der Tag hätte einen Schrei verdient. Auch auf die Gefahr hin, frisch verheilte Wunden wieder aufzureißen oder eine alte Diskussion neu zu entfachen, doch heute ist so ein Tag, da wäre ich nicht böse gewesen, wenn die MONTAGSFRAGE ausgefallen wäre. Warum? Ich bin müde! Ich bin erschöpft! Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden! Und meine Stimmung ist zudem entsprechend…!
Alles in allem also die perfekten Grundvoraussetzungen, um aus meiner aktuellen Stimmungssituation heraus diese Frage zu beantworten (…dass ich diesen inhaltlichen Haken so elegant geschlagen habe: Ich bin ein Genie! 😄). Vorab: Kann ich es mir als ambitionierter Buch-Blogger, der etliche Rezensionsexemplare auf Halde liegen hat, überhaupt erlauben, mein Leseverhalten meiner momentanen Stimmungssituation anzupassen?
Ja!
Da ich selbst bei der Wahl der Rezensionsexemplare auf eine ausgewogene Zusammenstellung achte, kann ich auch hier auf aktuelle Stimmungsschwankungen reagieren. Ein Beispiel gefällig…? Aber gerne! Aktuell liegen folgende Bücher/Hörspiele auf meinem engeren SuB:
Fabian Neidhardts „Immer noch wach“ ist meine aktuelle Lektüre, während sich „Im Wasser sind wir schwerelos“ von Tomasz Jedrowski gerade im Schlummer-Modus befindet (Die Gründe für diesen Umstand hatte ich Euch ja schon in MONTAGSRAGE #121 verraten.).
Alles andere „dazwischen“ erlaubt mir, auf meine aktuelle Stimmung Rücksicht zu nehmen: Da finde ich den klassischen Whodunit-Krimi ebenso vor wie die kurzweiligen Krimi-Erzählungen. Der eher anspruchsvolle Literatur-Klassiker ist genauso vertreten wie ein epischer Roman oder Werke, die sich mit sensiblen Themen beschäftigen.
Und sollte ich mal absolut keine Lust auf Lesen verspüren, dann werfe ich eine CD in den Player und erfreue mich an einen Hörspiel-Straßenfeger aus den guten, alten Zeiten des Radios. Ich werde mich zurücklehnen, die Augen schließen und einfach nur lauschen…!
…und sollten wirklich alle Stricke reißen, jegliche Dämme brechen, und ich drohen, in einem Gefühlsstrudel fortgerissen zu werden, dann greife ich zu meinem rettenden „Comfort“-Buch und alles wird wieder gut!
…und verratet mir doch bitte Eure Lese-Tipps passend zu den „Stimmungsschwankungen“???
Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!
In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.



