[Rezension] James Hilton – Leb wohl, Mister Chips

Manchmal braucht es nur einige wenige Seiten, und mir wird warm ums Herz. Manchmal braucht es nur eine einfache Geschichte, und eine Träne der Rührung rinnt. Manchmal braucht es nicht viel…!

Er war jahrzehntelang Lehrer in Brookfield, einem Jungeninternat. Er hat Hunderte, wenn nicht Tausende von Schülern unterrichtet. Er war kein wirklich guter Lehrer, Ambitionen hatte er keine. Aber er hatte Humor, Prinzipien, vor allem aber einen warmherzigen Blick auf die Welt. Die Schüler liebten ihn, und so ist er in Brookfield zur Legende geworden. Einst lebte Mr. Chips für seine Schüler, nun lebt er in den Büchern, die er liest. Ein kurzes, unverhofftes Liebesglück hat er erleben dürfen, aber das ist lange her. Jetzt wohnt er bei der Haushälterin Mrs Wickett, sitz vor allem am Kamin – und erinnert sich.

(Inhaltsangabe dem Klappentext des Buches entnommen!)

Good-bye, Mr. Chips von James Hilton ist eine dieser Geschichten, die nicht mit einem Paukenschlag auf dem literarischen Parkett erscheinen und für einen großen Wirbel sorgen. Vielmehr kommt sie recht unspektakulär daher und erregt dabei kaum Aufsehen. Allzu schnell könnte sie im grellen Karussell der Belletristik ignoriert werden, da ihr die Eitelkeit, sich in den Vordergrund zu drängen, gänzlich fehlt. Doch ihre emotionale Kraft entwickelt sie in aller Stille.

Beinah schlicht wird die Geschichte eines Mannes erzählt, der seinen Platz in einem überschaubaren und geordneten Leben gefunden hatte, der bescheiden sich und seine Fähigkeiten nicht überschätzte, und der somit auch nie nach Höherem strebte. Vielmehr sah er seine Bestimmung genau darin, diesen kleinen Part innerhalb des großen Weltgeschehens zu spielen, um so genau diese minimalistische Lücke zu füllen.

Fragmentarisch lässt uns der Autor einen Blick auf die Biografie seines Helden werfen: Anfangs wirkten die einzelnen Passagen ohne einen sofort erkennbaren Handlungsfaden etwas konfus auf mich. Doch der Autor wirft – wie beim Impressionismus der Maler die Farbkleckse auf die Leinwand – die einzelnen Fragmente auf das Papier, bis sich diese zu einem Gesamtbild bündeln. Am Ende sah ich hinab auf das Büchlein in meiner Hand und erkannte in ihm ein kleines, bescheidenes Kunstwerk.

Mit jedem der Fragmente, die James Hilton mir beim Lesen offenbarte, träufelte er mir ebenso einen Tropfen Melancholie in mein Herz. Melancholie! Keine Trauer! Denn traurig ist diese Erzählung über den einfachen Schullehrer Mr. Chipping (von den Schülern liebevoll Chips genannt) nie: rührend und charmant, bewegend und amüsant – dies alles ist diese Geschichte durchaus – und dazu absolut herzerwärmend.

Die Lektüre schenkte mir eine Ruhe, die oft im launischen Allerlei des Alltags abhandenkommt. Ich durfte wieder einmal tief durchatmen, in mich hineinfühlen und mich auf das besinnen, was wirklich wichtig ist im Leben.

Mister Chips war nicht viel. Er war kein „Jemand“. Er war nur ein warmherziger Lehrer und ein guter Mensch. Und das ist schon eine ganze Menge…! 💖


erschienen bei Kampa / ISBN: 978-3311100799 / in der Übersetzung von Manfred Allié

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Konzert] ERÖFFNUNGSGALA 2023/2024 / Stadttheater Bremerhaven

mit dem Main-Theme aus „The Sea Hawk“ von Erich Wolfgang Korngold sowie Arien und Musiken von Jerry Bock, John Du Prez & Eric Idle, Antonín Dvořák, Franz Lehár und Giacomo Puccini

mit Ausschnitten aus „Der zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist, „Glanz“ von Christina Kettering, „Der Untergang des Hauses Usher“ von Justine Wiechmann und Elisabeth Kirschbaumer (nach Edgar Allan Poe) und dem Ballett „Seelen“ von Alfonso Palencia

Premiere: 2. September 2023 / besuchte Vorstellung: 2. September 2023

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


Musikalische Leitung: Marc Niemann, Davide Perniceni, Hartmut Brüsch, Tonio Shiga
Chor: Mario Orlando El Fakih Hernández
Szenische Einrichtung: Annika Ellen Flindt
Moderation: Lars Tietje, Peter Hilton Fliegel, Bianca Sue Henne, Alfonso Palencia,
Markus Tatzig

Musiktheater: Ulrich Burdack, Signe Heiberg, Marcin Hutec, Andrew Irwin,
Konstantinos Klironomos, Victoria Kunze, Boshana Milkov
Ballett: Helena Bröker, Melissa Festa, Volodymyr Fomenko, Lucia Giarratana,
Arturo Lamolda Mir, Marco Marongiu, Alícia Navas Otero, Zoe Irina Sauer Llano,
Melissa Panetta, Clara Silva Gomes, Ming-Hung Weng, Dawon Yang
Schauspiel: Frank Auerbach, Richard Feist, Justus Henke, Kay Krause, Marc Vinzing,
Marsha Zimmermann
JUB: Janek Biedermann, Ulrich Fassnacht, Coco Plümer
Opernchor am Stadttheater Bremerhaven
Philharmonisches Orchester Bremerhaven


„The same procedure as every year!“

…könnte man ausrufen, denn – Ja! – der Ablauf einer Eröffnungsgala am Stadttheater Bremerhaven ist Jahr für Jahr recht identisch – nur die Inhalte variieren natürlich. Und gerade dieses Festhalten am Gewohnten schafft für mich als Zuschauer eine wohlbekannte und kuschelige Sicherheit und steigert meine Vorfreude, dass ich nach den enthaltsamen Sommermonaten endlich wieder Theaterluft schnuppern darf.

Gleich zu Beginn der Gala kredenzte uns das Philharmonische Orchester unter der Leitung von GMD Marc Niemann ein Highlight (von vielen, die noch folgen sollten): Das musikalische Hauptthema einer filmischen Piraten-Schmonzette mit Errol Flynn aus dem Jahre 1940, zu der niemand geringerer als Erich Wolfgang Korngold die Musik beisteuerte und so ganz nebenbei die Filmmusik revolutionierte. Das Motto der diesjährigen Konzert-Saison lautet Fremde Heimat: Korngold war vor den Nazis nach Amerika geflohen und musste sich dort eine neue Existenz aufbauen. War der Film „The Sea Hawk“ auch ein Leichtgewicht, so war es die Musik von Korngold ganz und gar nicht, die Niemann mit dem Philharmonische Orchester symphonisch-voluminös und mit einer enormen Klangfülle zu Gehör brachten. Doch auch Davide Perniceni, Hartmut Brüsch und Tonio Shiga ließen es sich nicht nehmen, bei den Programmpunkten zu den ihnen anvertrauten Produktionen hier bei der Eröffnungsgala den Taktstock zu schwingen.

Intendant Lars Tietje gab auch in diesem Jahr einen launig-entspannten Conférencier und holte sich bei passender Gelegenheit die jeweilige Sparten-Leitung in den Personen von Peter Hilton Fliegel, Bianca Sue Henne, Markus Tatzig und Alfonso Palencia an seine Seite.

Frank Auerbach, Richard Feist, Justus Henke und Marsha Zimmermann sorgten mit einem Ausschnitt aus Heinrich von Kleists Lustspiel-Klassiker DER ZERBROCHNE KRUG, der in einem moderneren Gewand präsentiert wird, für die ersten Lacher im Publikum. Der zum Einsatz kommende Kühlschrank mit „Special Effect“ könnte sich durchaus zum Running-Gag entwickeln.

Die Weihnachtspremiere der Oper RUSALKA von Antonín Dvořák verspricht ein ungewöhnliches Hörerlebnis, da sie in tschechischer Sprache aufgeführt wird. Dies ist bestimmt auch für die Sänger*innen eine Herausforderung, die aber hervorragend gemeistert wird, wie Boshana Milkov sowie Ulrich Burdack gemeinsam mit dem Opernchor, der wieder bestens durch Mario Orlando El Fakih Hernández vorbereitet wurde, nachdrücklich unter Beweis stellten.

Auch in diesem Jahr kam es zur Verleihung des Herzlieb-Kohut-Preises, mit dem besondere künstlerische Leistungen am Stadttheater Bremerhaven gewürdigt werden. In diesem Jahr wartete die Jury mit einer Überraschung auf: Nicht eine Person oder Sparte wurde geehrt, diesmal erhielten Toni Burkhardt (Regie), Adriana Mortelliti (Kostüme) und Wolfgang kurima Rauschning (Bühnenbild) gemeinsam diese Auszeichnung für ihre grandiose Umsetzung der Oper BREAKING THE WAVES. Völlig verdient: Auch mich hatte diese Inszenierung nachhaltig beeindruckt.

Die letztjährige Preisträgerin Victoria Kunze behauptete gegenüber ihrem „Partner in Crime“ Andrew Irwin (😉) „Ich bin eine anständ’ge Frau“. Na, ob das wirklich stimmt, da können wir uns in DIE LUSTIGE WITWE, dem Operetten-Klassiker von Franz Lehár überzeugen. Mit einem schmissigen „Ja, das Studium der Weiber ist schwer“ spülten uns Signe Heiberg, Ulrich Burdack und Konstantinos Klironomos mit Unterstützung des Operchores aus dem Saal hinaus in die Pause.

Erst seit einer Spielzeit ist Alfonso Palencia als Ballettdirektor am Haus, und schon hat er deutliche künstlerische Spuren hinterlassen. So überzeugen seine Choreografien durch Emotionalität und Ästhetik. Dies galt auch für die gezeigten Ausschnitte aus dem drei-geteilten Ballettabend SEELEN, die von der Company grandios umgesetzt wurden. Am Ende erhielten die Tänzer*innen einen frenetischen Applaus als Lohn. Tanz scheint mir die Kunstform zu sein, die dem Künstler am Meisten abverlangt und das höchste Maß an Disziplin fordert.


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In dieser Spielzeit steht mit GLANZ von Christina Kettering eine Uraufführung auf dem Spielplan vom JUB (Junges Theater Bremerhaven). In diesem Stück erfindet sich eine junge Frau via Social Media neu und verstrickt sich immer weiter in Lügen: Coco Plümer, Janek Biedermann und Ulrich Fassnacht zeigten mit einem Ausschnitt, wie nah dieses Thema an der Gefühlswert der heutigen Jugend ist.

Doch nicht nur aktuelle Themen werden in den Spielplänen der einzelnen Sparen aufgegriffen, auch die Freunde der klassischen Grusel- und Schauerliteratur kommen weiterhin auf ihre Kosten: Schon in der vergangenen Spielzeit hatte DER UNTERGANG DES HAUSES USHER von Justine Wiechmann und Elisabeth Kirschbaumer (nach der gleichnamigen Erzählung von Edgar Allan Poe) Premiere. Diese beim Publikum sehr beliebte Inszenierung wird auch in dieser Saison weiterhin als Wiederaufnahme zu sehen sein, aus der Marc Vinzing den großen Eröffnungs-Monolog im beinah dunklem Saal gekonnt-unheilschwanger zum Besten gab.

Mit TOSCA von Giacomo Puccini eröffnet das Musiktheater die neue Saison und bietet nicht nur einen Klassiker und Publikumsliebling des Genres, sondern hier am Stadttheater Bremerhaven mit Signe Heiberg und Konstantinos Klironomos zudem ein fulminantes Leading-Paar. Schon mit „Meno male! Egliè la“, der ersten Szene des Tosca-Blocks, in der Marcin Hutec, Andrew Irwin und Konstantinos Klironomos vor dem Orchester standen und sangen, während stückbedingt Signe Heiberg gemeinsam mit dem Opernchor und dem Extrachor von der Seitenbühne zu hören waren, zeigte eindringlich die hohe sängerische Qualität des Hauses. Cavaradossis Arie „E lucevan le stelle“ gestaltete Konstantinos Klironomos voller Wehmut und Trauer, während Toscas „Vissi d’arte“ bei Signe Heiberg sich vom anfänglichen Klagelied beinah bis zur kämpferischen Hymne steigerte. Grandios!!!

Auch wenn das „große“ Musical in dieser Spielzeit beim Schauspiel zu finden ist, so hat das Musiktheater mit THE APPLE TREE von Jerry Bock und Sheldon Harnick zumindest eine deutschsprachige Erstaufführung am Start. Dem Team Bock/Harnick verdanken wir u.a. das wunderbare Musical „Anatevka (Fiddler on the Roof)“. THE APPLE TREE verspricht, ein musical-isches Schmankerl in bester Broadway-Sound-Tradition (Die Ouvertüre wusste schon zu gefallen!) zu werden. Das Musical beschäftigt sich in drei in sich abgeschlossenen Geschichten um das Thema „Verführung“: So dürfen sich Adam und Eva mit der Schlange kabbeln, oder eine junge Frau aus bescheidenen Verhältnissen träumt vom Glitzer der Show-Welt. Apropos: Marcin Hutek war in den vergangenen Spielzeiten ja schon so einiges, u.a. Chef des Olymps. Jetzt durfte er als Schlange den Sündenfall verschulden und versuchte musikalisch seine „Verbot’ne Frucht“ an die Frau zu bringen. Mit „Wahnsinn“ amüsierte Victoria Kunze keck als aufstrebendes aber sich selbst überschätzendes Show-Sternchen. Andrew Irwin gestaltete Adams Klagelied auf „Eva“ so fein akzentuiert, dass es die reine Freude war, ihm zu lauschen.

Das „große“ Musical ist – wie schon erwähnt – in dieser Spielzeit beim Schauspiel verankert: Bei der Musical-Parodie SPAMELOT von Eric Idle und John du Prez nach Monty Phytons „Die Ritter der Kokosnuss“ erwarte ich allerdings auch keinen Schön-Gesang sondern vielmehr ein Feuerwerk an Pointen, die – im wahrsten Sinne des Wortes – auf dem Punkt kommen. Trotzdem dürfen wir uns auf ein komplettes Orchester incl. Opernchor freuen. Bei „Such den Gral“ überzeugte Kay Krause mit gekonntem Sprechgesang als kauziger König Artus. Für die erkrankte Julia Lindhorst-Apfelthaler, die in dieser Inszenierung die Fee aus dem See geben wird, sprang bei der Eröffnungs-Gala kurzfristig Boshana Milkov ein und „soulte“ sich voller Wonne durch den Song.

Mit dem Ohrwurm „Always look on the bright side of life“ wurden wir in die laue Sommernacht Bremerhavens entlassen.


Mit dieser Eröffnungsgala beginnt die SAISON 2023/2024 am Stadttheater Bremerhaven, das mich wieder mit seinem vielfältigen Programm begeistert.

[Event] OSTERHOLZER WINTERLICHTER: Ein Zwischenbericht…!

„I Have a Dream“

…könnte Sabrina gedacht haben, als ihr die Idee zu einem weihnachtlichen Event kam. Ob sie dabei wirklich die flammende Rede von Martin Luther King im Sinn hatte, kann ich nur vermuten, da Fakten mir nicht überliefert sind. Als Ökologin ist sie u.a. auch bei der Museumsanlage Osterholz aktiv und erlebt so tagtäglich das pulsierende Treiben in diesem urbanen Lebensraum… Ach, das glaubt mir ja eh keiner! 😉

Der Stadtteil Osterholz scheint innerhalb der Kreisstadt Osterholz-Scharmbeck immer etwas stiefmütterlich behandelt zu werden. Während in Scharmbeck die Infrastruktur deutlich ausgeprägter ist und sich die Festivitäten über das Jahr verteilen, liegt Osterholz im Dornröschen-Schlaf, aus dem er gefühlt nur einmal im Jahr zum Erntefest erwacht.

Anfang des Jahres 2023 lief Sabrina dann mit Marcus ein ihr bis dato unbekannter Mann über den Weg, von dem sie nur wusste, der kennt sich sowohl aus als auch in OHZ „Gott und die Welt“. Aus dem ersten Gespräch wuchs der Impuls, einen Aufruf über facebook zu starten, um Ideen zu sammeln und Mitstreiter zu generieren. Viele, viele Menschen meldeten sich und boten ihre Hilfe an. Doch wie so häufig bei solchen Projekten wechselte die anfängliche Euphorie zur ernüchternden Erkenntnis, dass das Planen und Umsetzen eines solchen Events mit sehr, sehr viel Arbeit verbunden ist. So trennte sich schnell die vielbemühte Spreu vom Weizen und übrig blieb als Orga-Team (Ja, auch ich bin selbstverständlich dabei!) eine Gruppe von motivierten Menschen, die die Freude eint, etwas für „ihren“ Stadtteil bewegen zu wollen.

Im Februar trafen wir uns zum ersten Mal, um die Ideen zusammenzutragen und eine erste Strategie zu entwickeln. Weitere Treffen sollten folgen, und langsam kristallisierte sich aus der Fülle an Einzel-Ideen ein Gemeinschafts-Event heraus. Unser Grundgedanke war…

Wir präsentieren uns gemeinsam als einen 
lebens- und liebenswerten Stadtteil, der viel zu bieten hat.

Denn hinter der scheinbaren ruhigen Fassade verbirgt sich ein Stadtteil mit vielfällten Angeboten, und die gilt es sichtbar zu machen. Neben der Museumsanlage und der Kirchengemeinde St. Marien konnte mit dem Deutschen Roten Kreuz noch eine weitere große Institution des Stadtteils ins Boot geholt werden, denen sich eine Vielzahl an kleineren Einrichtungen, Geschäften aber auch Privatpersonen anschlossen.

Dabei war es uns im Orga-Team wichtig, dass die Angebote gut gebündelt werden, damit keine gegenseitige Konkurrenz entsteht, z. Bsp. konzentrieren sich der Weihnachtsbasar und die Kinderaktionen auf das Gelände der Museumsanlage, während in der Klosterkirche St. Marien ein buntes kulturelles Programm mit Lesungen, Konzerten und Führungen angeboten wird.

Orga-Team OSTERHOLZER WINTERLICHTER - Foto Christa Neckermann

Im Mai traten wir dann an die Öffentlichkeit, stellten unsere Idee vor und luden zu einem offenen Austausch ein, bei dem auch die Damen und Herren der Presse geladen waren (entsprechende Zeitungsartikel sollten folgen). Die Resonanz war durchweg positiv. Es schien beinah so, als hätten die Menschen auf eine solche Gelegenheit gewartet.

Seitdem werkeln wir fleißig: Es werden Absprachen getroffen, Programme erstellt, Homepage und Flyer entworfen, rechtliche Grundlagen erfragt und vieles mehr. Doch der schönste Nebeneffekt dabei ist, dass zahlreiche Kontakte geknüpft werden, die so für eine Vernetzung im Stadtteil sorgen.

Wir haben schon eine ganze Menge auf den Weg gebracht, einiges, wie z. Bsp. die Homepage, befindet sich noch im „work in progress“. Aber schon jetzt lässt es sich erahnen,…

…OSTERHOLZER WINTERLICHTER wird ein absolut buntes und ganz und gar wunderbares Event, dass es so weder in Osterholz noch in Scharmbeck bisher gegeben hat!

Freut euch drauf! Ich tue es! 💖


Die OSTERHOLZER WINTERLICHTER finden am 2. Dezember 2023 von 11.00 bis 19.00 Uhr zwischen Bördestraße, Findorffstraße und Klosterplatz in 27711 Osterholz-Scharmbeck statt.

[Rezension] Agatha Christie – Etwas ist faul. Kurzgeschichten

Ich saß in meinem Sessel und schwitzte vor mich hin: Draußen brannte die Sonne vom Himmel, die sich nur dann und wann eine Pause gönnte, wenn Regenschauer sie verdunkelten. Doch dies brachte keine Erleichterung. Vielmehr sorgte die Kombination beider Wetterphänomene dafür, dass sich die tropische Flora und Fauna bei uns sehr, sehr wohl fühlen würde. Ich saß in meinem Sessel und schwitzte vor mich hin: In meinen Händen hielt ich das Rezensionsexemplar mit Erzählungen eines russischen Dichters. Ich ertappte mich dabei, wie ich schon seit geraumer Zeit auf immer die gleiche Stelle im Buch starrte ohne einen Hauch von Ahnung, was ich da gerade gelesen hatte. Ich bemitleidete mich voller Inbrunst selbst! Dann traf ich genau die richtige Entscheidung: Unter diesen Bedingungen brauchte es eine leichte unterhaltsame Lektüre…!

Unter dem Original-Titel The Listerdale Mystery erschien in Großbritannien im Jahr 1934 diese Anthologie mit 12 Kurzgeschichten, von denen einige auch über die Grenzen Englands hinaus sehr populär wurden. Besonders zwei Geschichten tauch(t)en gerne auch in anderen Zusammenstellungen auf.

In „Der Traum vom Glück“, die gerne in Sammlungen mit Weihnachtsgeschichten erscheint, schlägt ein junger, naiver Mann über die Stränge, ganz entgegen der Haltung seiner korrekten Verlobten, gönnt sich heimlich von einem Lotto-Gewinn einen Sportwagen. Schon bei seiner ersten Spritztour wird er plötzlich in eine aufregende Verwicklung mit einer unbekannten Schönen verstrickt, wie er sie sonst nur aus seinen geliebten Groschenromanen kennt. Bei „Haus Nachtigall“ (in anderen Übersetzungen auch „Villa Nachtigall“) heiratet eine junge Frau überstürzt einen ihr beinah Fremden und zieht mit ihm in ein abgelegenes Cottage. Merkwürdige Ereignisse und das widersprüchliche Verhalten ihres Gatten veranlassen sie, näheres über ihn und seine Vergangenheit in Erfahrung zu bringen.

Doch auch die anderen Geschichten sind äußerst unterhaltsam, spiegeln den damaligen Zeitgeist mit seinen gesellschaftlichen Unterschieden und den geläufigen Klischees bzw. Vorurteilen wieder. Wobei ich nach wie vor der Meinung bin, dass Agatha Christie dieses Stilmittel sehr bewusst einsetzte, um den vorherrschenden Standesdünkel zu karikieren. Ihren Hang zur Liebesschmonzette (unter dem Pseudonym Mary Westmacott veröffentlichte sie einige Liebesromane) konnte sie auch hier nicht gänzlich unterdrücken, bündelte diesen allerdings in einer heiter-ironischen Überzeichnung in der Beschreibung so mancher Situation.

Prinzipiell eine Meisterin im Kreieren von Dialogen zeigt sie hier ihr Können schon in recht frühen Jahren ihrer Karriere. Wieder einmal ertappte ich mich dabei, dass ich mitten bei dieser vergnüglichen Lektüre begann, laut zu lesen. Ein sehr gutes Zeichen für die Qualität der Dialoge! Zudem überzeugt Christie abermals mit prallen Charakteren jeglicher Couleur, wobei sie ihr Augenmerk immer besonders auf die Frauen-Typen richtet, die von ihr stets mit Selbstbewusstsein, Verve und Esprit porträtiert werden.

Der Abschluss dieser amüsanten Anthologie bildet die Geschichte „Schwanengesang“, die von einer höchst ungewöhnlichen Aufführung der Oper Tosca berichtet, bei der der Sänger des Scarpia mit einem Messer in der Brust auf offener Bühne sein Lebenslicht aushaucht. Gerade als passionierter Theaterbesucher bereitete mir diese Geschichte eine besondere Freude – zumal mein Stammtheater die neue Spielzeit mit Tosca eröffnet.

„Geschichten zum Wegnaschen“ urteilte damals The Times Literary Supplement und dieser Einschätzung kann ich mich uneingeschränkt anschließen. Zudem dieses Naschwerk bar jeglicher Kalorien und Kohlehydrate daherkommt. 😋


erschienen bei Atlantik / ISBN: 978-3455015010 / in der Übersetzung von Pieke Biermann, Hella von Brackel, Günter Eichel, Maria Meinert, Felix von Poellheim, Karl H. Schneider, Edith Walter und Renate Weigl

[Rezension] Heinrich Spoerl – Die Feuerzangenbowle (Hörspiel)

Wer kennt ihn nicht – den Primaner „Pfeiffer mit drei Eff“.

Bei einer launigen Stammtischrunde, die durch Genuss besagter Feuerzangenbowle noch angeheizt wurde, schwelgen die anwesenden Herren in Erinnerungen an ihre Schulzeit. Ja, das waren noch Zeiten, als sie jung und mit Flausen im Kopf Streiche gegen die Pauker ausheckten und sich zum ersten Mal in die Schülerinnen des benachbarten Mädchen-Gymnasiums verliebten. Einzig Dr. Johannes Pfeiffer kann keine Anekdoten beitragen, da er privat unterrichtet wurde. Seine Freunde sind entsetzt: Die beste Zeit im Leben eines jungen Mannes blieb ihm verwehrt. Dieser Umstand muss schleunigst geändert werden. Kurzerhand werden entsprechende Unterlagen fingiert, Pfeiffer passend ausgestattet und auf das Gymnasium einer Kleinstadt verfrachtet. Seine Verlobte Marion ist ganz und gar nicht entzückt. Dafür ist Pfeiffer umso entzückter von der reizenden Eva, der Tochter des Direktors seiner Penne…!

Zu jedem Eff im Namen „Pfeiffer“ gab es bisher eine Verfilmung: Schon 1934 setzte sich Heinz Rühmann die Primaner-Mütze auf und lieferte mit „So ein Flegel“ einen Eindruck zur späteren Verfilmung des Romans. Im Jahre 1970 wagte sich dann Walter Giller unter der Regie von Helmut Käutner an die Rolle. Doch gegen die wunderbare und bekannteste Film-Fassung von 1944, die Rühmann mit seinem unübertroffenen Spiel dominierte, verblasst jegliche andere Verfilmung. Ebenfalls im Jahr 1970 produzierte der Bayrische Rundfunk diese Hörspielfassung, die sehr prominent besetzt wurde.


1 CDs/ Die Feuerzangenbowle von Heinrich Spoerl (1970)/ Hörspielbearbeitung: Bernd Grashoff/ Regie: Heinz-Günter Stamm/ Musik: Raimund Rosenberger/ mit Hans Clarin, Fritz Rémond, Paul Verhoeven, Josef Meinertzhagen, Heini Göbel, Günther Ungeheuer, Thomas Piper, Margot Philipp, Erika von Thellmann, Karin Kleine u.a.

Alle sind sie da! Bernd Grashoff lässt in seiner Hörspielfassung nicht nur die liebgewonnenen Figuren akustisch wieder auferstehen, auch all die wunderbaren Szenen mit den bekannten Zitaten, die ich nur allzu gerne aus dem Film zitiere, sind hier präsent. Unter der Regie von Heinz-Günter Stamm werden diese Ingredienzen zu einer amüsanten und kurzweiligen Schüler-Posse vereint, zu dessen Gelingen auch Raimund Rosenberger mit seiner stimmigen Musik beiträgt.

Auf der Besetzungsliste finden sich bekannte Namen aus Theater, Film und Fernsehen. Bei den Schüler*innen gefallen besonders Margot Philipp als aparte Direktorentochter und Thomas „Tommi“ Piper als Ackermann, der später durch seine Synchronisation von „Alf“ besondere Popularität erlangen sollte. Beim Lehrkörper fallen Namen renommierter Mimen wie Fritz Rémond, Paul Verhoeven, Josef Meinertzhagen, Heini Göbel und Günther Ungeheuer ins Auge, die allesamt durch ihre markanten Stimmen im Zusammenspiel mit gekonnt-kauzigen Rollenporträts überzeugen. Doch Dreh- und Angelpunkt dieser gelungenen Hörspiel-Fassung ist der herausragende Hans Clarin, der sich so herrlich schelmisch-verschmitzt die Pennäler-Mütze aufs Haupt stülpt.

Beim Lauschen des Hörspiels lachte ich so manches Mal herzhaft auf oder stieß einen wohligen Seufzer aus, da mir zwangsläufig Szenen des Films wieder in den Sinn kamen. Und da dachte ich mir, dass es langsam an der Zeit wäre, mich auch einmal der literarischen Vorlage zu widmen.


erschienen bei der Hörverlag/ ISBN: 978-3899409697

[Rezension] Maurice Leblanc – Arsène Lupin. Der Gentleman-Gauner/ mit Illustrationen von Annika Siems

Arsène Lupin, der feinsinnige Gentleman-Gauner und Meister der Verkleidungskunst, brilliert im rasanten Schlagabtausch mit seinen Gegenspielern. Galant wickelt er seine Geschäfte ab, entwendet mit Leichtigkeit prächtige Diamanten, teuerste Gemälde und brisante Dokumente. Selbst ein Aufenthalt im berüchtigten Gefängnis von Paris hält Lupin nicht davon ab, seine diebischen Vorhaben in die Tat umzusetzen. Intrigen, falsche Fährten, Täuschungen und Verrat – nichts kann dem Meisterdieb gefährlich werden. Nur eines bringt den ausgewiesenen Kunstkenner aus der Fassung: die Liebe zu einer Frau…

(Inhaltsangabe dem Klappentext des Buches entnommen!)

Zwischen den Jahr(zehnt)en 1905 und 1935 erzählte Autor Maurice Leblanc seinem stetig wachsenden Publikum in 20 Romanen, zwei Theaterstücken und etlichen Kurzgeschichten von den haarsträubenden Abenteuern des Arsène Lupin. Dabei gelten die Romane als eine wichtige Entwicklung in der Geschichte des Kriminalromans. Hier stand nicht ein gewiefter Ermittler im Rampenlicht, vielmehr galt die gesamte Aufmerksamkeit erstmals einem Kriminellen, der allerdings mit so viel Charme, Stil und Klasse agierte, dass er sich der Sympathie der Leserschaft sicher sein konnte.

Arsène Lupin ist frech, dreist und unverschämt, dann wieder zartfühlend, zurückhaltend und empathisch. Die Armen haben nichts zu befürchten. Vielmehr beutelt er die, die eh alles im Übermaß besitzen und sich oftmals verzweifelt an ihre Besitztümer klammern gemäß dem Motto „Ich habe, also bin ich wer!“. Sein genialer „Spiritus rector“ erlaubt ihm sogar die Freiheit bzw. Frechheit, dass er seine zukünftigen Opfer vorwarnt und sie trotz aller getroffenen Vorsichtsmaßnahmen selbstverständlich (!) um ihrer Wertgegenstände erleichtert.

Dabei pflegt er ein beinah freundschaftliches Verhältnis zur Polizei, selbst wenn diese, wie z.Bsp. der von ihm geschätzte Inspector Ganimard, ihn verhaftet und ins berüchtigte Pariser Gefängnis Santé verfrachtet. Er kann ihnen nicht lange böse sein, denn schließlich ist selbst ein Gefängnisaufenthalt für einen Gentleman-Gauner, wie er einer ist, nur von kurzer Dauer. Doch es gibt zwei Menschen, die es schaffen den Meisterdieb aus sehr unterschiedlichen Gründen durch ihre bloße Anwesenheit zu irritieren: Einerseits ist es die entzückende Miss Nelly Underdown, andererseits der wohl berühmteste Detektiv der Welt Mr. Sherlock Holmes.

Gerüchten zufolge soll Leblanc den Meisterdieb als Gegenstück zum sehr erfolgreichen Sherlock Holmes von Arthur Conan Doyle geschaffen haben. Aus urheberrechtlichen Gründen durfte bei der Erstveröffentlichung der korrekte Name des Meisterdetektivs nicht genannt werden, der dann zu „Herlock Sholmes“ mutierte. Diese Schreibweise wurde auch in der vorliegenden Ausgabe der Büchergilde Gutenberg beibehalten.

Aus dem Füllhorn an Geschichten wurden für die vorliegende Edition neun Erzählungen gewählt, die wunderbar aufeinander aufbauen bzw. sich aufeinander beziehen. Alle Erzählungen wurden von Martin Barkawitz mit viel Witz und Esprit vortrefflich übersetzt.

Die Illustrationen von Annika Siems, die jeweils am Anfang einer Geschichte stehen, sind ein nettes „Beiwerk“ aber durchaus auch entbehrlich. Leider erreichen sie nicht die Intensität, die ihre Illustrationen vorweisen, die sie für Graham Greenes „Der dritte Mann“ ebenfalls für die Büchergilde Gutenberg kreiert hat.

Arsène Lupin ist ein Meister der Verkleidung, der in eine Vielzahl verschiedener Identitäten schlüpft: So ist es natürlich müßig zu erwähnen, dass Maurice Leblanc in keinem einzigen Satz und nicht mit der winzigsten Andeutung einen Hinweis auf das wahre Erscheinungsbild seiner Schöpfung gibt. So blieb es für mich als Leser immer wieder spannend zu rätseln, hinter welchem Pseudonym sich der Gentleman-Gauner diesmal verbergen könnte.

„Oldies but Goldies!“ lautet ein vielbemühter Ausspruch, der mal mehr, mal weniger zutreffend ist. In diesem Fall trifft er allerdings direkt ins Schwarze: Ich habe mich bei der Lektüre dieser neun Erzählungen gar prächtig amüsiert und bestens unterhalten gefühlt.

Easter Eeg: Beim Lesen der letzten Erzählung „Herlock Sholmes kommt zu spät“ stutze ich plötzlich und musste spontan auflachen. Da hatte sich doch tatsächlich der korrekte Name des Meisterdetektivs in die Geschichte geschummelt. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Suchen!


erschienen bei Büchergilde Gutenberg / ISBN: 978-3763272938 / in der Übersetzung von Martin Barkawitz

[Noch ein Gedicht…] Johann Wolfgang von Goethe – ÜBER DIE KATZ

Zum Fressen geboren, zum Kraulen bestellt;
in Schlummer verloren – gefällt mir die Welt.

Ich schnurr‘ auf dem Schoße, ich ruhe im Bett;
in lieblicher Pose – ob schlank oder fett.

So gelte ich allen als göttliches Tier –
sie stammeln und lallen und huldigen mir.

Liebkosen mir glücklich den Bauch, Öhrchen und Tatz,
und ich wählte es wieder – das Leben der Katz.

Johann Wolfgang von Goethe


🐱 Heute ist der INTERNATIONALE TAG der KATZE! 🐱