[Konzert] Adventskonzert MERRY CHRISTMAS / Philharmonisches Orchester Bremerhaven

Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy, Georg Friedrich Händel, Tom A. Kennedy, César Franck, Morten Lauridsen, Johann Sebastian Bach, Gustav Holst, Georges Bizet, Jesse Edgar Middleton, James Bobby, John Williams sowie traditionelle Weihnachtslieder

Premiere: 30. November 2025/ besuchtes Konzert: 27. Dezember 2025

Stadttheater Bremerhaven/ Großes Haus


DIRIGENT & MODERATION Hartmut Brüsch 
CHOR Edward Mauritius Münch
SOLIST:INNEN  Meredith Hoffmann-Thomson, Boshana Milkov, Weilian Wang, Timothy Edlin

Opernchor des Stadttheaters Bremerhaven
Philharmonisches Orchester Bremerhaven
Kinderchor des Stadttheaters Bremerhaven
Kinder- und Jugendchöre der Musikschule Geestland

ORGANISATION & STIMMBILDUNG KINDERCHOR Katharina Diegritz
EINSTUDIERUNG KINDER- UND JUGENDCHÖRE DER MUSIKSCHULE GEESTLAND Gabriele Brüsch


An den Tagen zwischen den Feiertagen habe ich in jedem Jahr erneut das Gefühl, als würde sich die Welt langsamer drehen, so als würde sie – nur für diese wenigen Tage – ausgebremst werden. Natürlich ist mir bewusst, dass dies leider nicht der Fall ist: Die Welt dreht und dreht und dreht sich unbeirrbar, und irgendwo auf ihr passieren ungeheure Ungerechtigkeit – auch jetzt in diesem Moment, in dieser Sekunde.

Doch ich brauche am Ende eines ereignisreichen Jahres diese kurze Zeitspanne so sehr, um atmen zu können, zur Ruhe zu kommen und auch um zu träumen. Die Wochen vor Weihnachten brachten mir noch eine gehörige Portion Aufregung und sorgten so für reichlich Verwirrung. Doch nun waren alle Unsicherheiten beseitigt, und auch die vor-weihnachtliche Hektik war von mir abgefallen. Entsprechend entspannt machte ich mich auf den Weg in Richtung Bremerhaven, um einen Tag nach Weihnachten beim Adventskonzert MERRY CHRISTMAS die besinnliche Zeit nochmals „nachzuschmecken“. Der Weihnachtsmarkt in der Seestadt dauert traditionell bis zum 30. Dezember an, und so drehte sich auf dem Theodor-Heuss-Platz vor dem Theater immer noch das bunt beleuchtete Riesenrad. Von den geschmückten Buden wehten köstliche Düfte zu mir herüber: Bratwürstchen und Churros munden auch nach Weihnachten gar köstlich!

Nachdem der Leib im ausreichenden Maße gefüttert wurde, waren nun Herz und Hirn an der Reihe, um genussvoll gesättigt zu werden. Magnetisch zog mich das warme Licht durch die geöffneten Türen ins Innere des Theaters, wo zahlreiche Weihnachtsbäume und Lichterketten für ein festliches Ambiente sorgten. Auf der stimmungsvoll dekorierten Bühne hatten bereits vereinzelt Musiker*innen des Philharmonischen Orchester Platz genommen, um an ihren Instrumenten die eine oder andere tückische Passage nochmals zu üben.

Peu à peu füllte sich das Orchesterpodium. Das Licht im Zuschauersaal wurde gedimmt, und unter Applaus betrat der musikalische Leiter Hartmut Brüsch mit den Sänger*innen des Opernchors die Bühne, um gemeinsam das Konzert mit „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ von Felix Mendelsohn Bartholdy musikalisch prachtvoll zu eröffnen. Hartmut Brüsch erwies sich abermals als versierter Moderator, der es verstand, Wissen so leicht und humorvoll zu vermitteln, das wir im Publikum kaum wahrnahmen, dass wir etwas lernten.


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Das Programm führte uns durch 400 Jahre Musikgeschichte (vom Barock über die Romantik zu zeitgenössischen Werken), ließ uns musikalisch – neben Deutschland – auch Länder wie England, USA, Kanada und Frankreich bereisen und war so imposant gefüllt mit so vielen bemerkenswerten Momenten, dass es mir unmöglich ist, die mitwirkenden Künstler*innen für alle ihrer Darbietungen gebührend zu würdigen.

Boshana Milkovs samtener Mezzo umschmeichelte mit feiner Koloratur insbesondere die Oboe bei „Bereite dich, Zion“ aus WEIHNACHTSORATORIUM von Johann Sebastian Bach. Weilian Wangs schön timbrierter Tenor schien bei „Panis Angelicus“ von César Franck mit dem Klang des Orchesters zu verschmelzen. Sopranistin Meredith Hoffmann-Thomson entzückte mit einem zauberhaft beseelten „In the Bleak Midwinter“ von Gustav Holst. Timothy Edlin gestaltete mit seinem warmen Bass äußerst gefühlvoll „O little Town of Bethlehem“ und bot so dem nachfolgenden Kinderchor einen wunderbaren Einstieg in seinen ersten Auftritt.

Der Kinderchor setzte sich aus dem Kinderchor des Stadttheaters Bremerhaven (Einstudierung: Edward Mauritius Münch und Katharina Diegritz) und den Kinder- und Jugendchören der Musikschule Geestland (Einstudierung: Gabriele Brüsch) zusammen, der die englischen Carols ebenso entzückend zu Gehör brachte wie zu einem späteren Zeitpunkt die deutschen traditionellen Weihnachtslieder. Manche Kinder und Jugendlichen waren so hochkonzentriert bei der Sache, dass ihnen vor Aufregung der Text entfiel. Ich erkannte es an ihrem leicht verschreckten Gesichtsausdruck, was mir ein verständnisvolles Schmunzeln entlockte. Zumal sie bravourös auch anspruchsvolle Chorpartien meisterten, so das älteste kanadische Weihnachtslied „The Huron Carol“ von Jesse Edgar Middleton, das sie gemeinsam mit dem Opernchor a cappella vortrugen.

Auch das mystisch-sphärische „O Magnum Mysterium“ von Morten Lauridsen erklang stimmgewaltig a cappella durch den Opernchor. Beim würdigen Finale mit „Merry Christmas“ aus KEVIN ALLEIN IN NEW YORK von John Williams verband sich die orchestrale Kraft des Philharmonischen Orchesters Bremerhaven mit dem brillanten Gesang der Sänger*innen des exzellenten Opernchors.

Traditionell endete auch dieses ADVENTSKONZERT mit einem fulminanten Chor – bestehend aus Solist*innen, Opern- und Kinderchor sowie den 685 Zuschauer*innen – im gänzlich ausverkauften Großen Haus des Stadttheaters Bremerhaven. Mit „Stille Nacht, heilige Nacht“ und „Dat Joahr geiht to End“ endete ein so beglückendes Konzert, das mich beseelt nach Hause fahren ließ und einen versöhnlichen Abschluss für dieses herausfordernde Jahr bildete.

„Du denkst still bi di: Wedder een Joahr vorbi,
un wat wür, wür dat schlecht oder good?“

Ich sende ein großes Dankeschön an alle, die dieses wunderbare Konzert möglich gemacht haben: Euch ist es zu verdanken, dass ich nun zuversichtlicher in mein persönliches Neues Jahr 2026 blicke!


Das Philharmonische Orchester Bremerhaven bietet in jeder Saison ein Vielzahl an abwechslungsreichen Konzerten: Ein Blick in das PROGRAMM lohnt sich sehr!

[Ballett] Alfonso Palencia – DER NUSSKNACKER / Stadttheater Bremerhaven

Ballett von Alfonso Palencia / nach der Erzählung „Nussknacker und Mausekönig“ von E.T.A. Hoffmann / mit Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky

Premiere: 11. Oktober 2025 / besuchte Vorstellung: 2. November 2025
Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


CHOREOGRAFIE & INSZENIERUNG Alfonso Palencia
MUSIKALISCHE LEITUNG Davide Perniceni
BÜHNE & VIDEO Yoko Seyama
KOSTÜME Rosa Ana Chanzá
LICHT Frauke Richter

CHOREOGRAFISCHE ASSISTENZ Bobby M. Briscoe 
DRAMATURGIE Alfonso Palencia, Torben Selk 
KINDERCHOR Edward Mauritius Münch
ORGANISATION & STIMMBILDUNG KINDERCHOR Katharina Diegritz 
INSPIZIENZ Mahina Gallinger
THEATERPÄDAGOGIK Schirin Badafaras


Ich saß im Zuschauersaal, blickte zur Bühne und bemerkte kaum, wie ich mich mehr und mehr verlor und die Menschen um mich herum vergaß. Meine Brust wurde weit, als ich all die Schönheit aus Musik und Tanz in mich aufsaugte und mich in eine Welt voller Grazie und Ästhetik fallen ließ. Wie beschreibe ich eine Kunstform, ohne immer wieder und wieder dieselben abgenutzten Adjektive zu bemühen? Wie beschreibe ich etwas, was unbeschreiblich war?

Auch nach all den Jahr(zehnt)en, die ich nun schon die Bühnen dieses Landes mit meiner Anwesenheit „beglücke“, empfinde ich einen Abend im Theater, wenn der Saal sich verdunkelt und der Vorhang sich hebt, nach wie vor als ein wunderbares Geschenk, das mir – völlig unverdient – gemacht wird. Okay, ich habe vorab für ein paar Euronen eine Eintrittskarte erworben, aber das ist nur ein geringes Salaire, im Vergleich zur mannigfaltigen Freude, die ich im Gegenzug erhalte.

Ich saß im Zuschauersaal – Nein! – ich darf in einem Zuschauersaal sitzen. Dies ist für mich wahrlich keine Selbstverständlichkeit sondern vielmehr ein unschätzbarer Luxus. Es ist ein Luxus, dass wir hier in diesem Land eine so freie und somit vielfältige Kulturszene haben, die ihre Impulse durch Menschen aus unterschiedlichen Nationen erhält. Mit Inspiration, Talent und Kraft arbeiten Menschen aus unterschiedlichen Nationen vor, auf, über, unter, neben und hinter der Bühne bereits Tage zuvor, um mir dann einen unvergesslichen, einzigartigen Theaterabend zu schenken. Diesen Luxus müssen wir uns bewahren!

Schönheit, Grazie und Ästhetik: Ballettdirektor und Chefchoreograf Alfonso Palencia hätte zu dieser Zeit kein besseres Ballett auswählen können. Einerseits ist die Handlung von Tschaikowskys Märchenballett DER NUSSKNACKER prädestiniert für die nahende Adventszeit, andererseits lechzen wir Menschen in diesen verrückten wie auch beängstigenden Zeiten nach Sicherheit, Harmonie und Geborgenheit.

Am Heiligabend versammelt sich Familie Silberhaus mit Claras Freunden, um gemeinsam zu feiern. Drosselmeier, Claras Patenonkel, Zauberer und ein begabter Spielzeugmacher, hat Geschenke für die ganze Familie mitgebracht. Claras Bruder Fritz bekommt ein Schiff und Clara einen Nussknacker. Sie schließt ihn sofort ins Herz. Alle sind schlafen gegangen. Doch Clara kehrt ins Wohnzimmer zurück, um nach dem Nussknacker zu sehen. Sie nimmt ihn in den Arm und schläft ein. Ein Traum beginnt. Claras Familie und Freunde verwandeln sich in Soldaten – und in schräge Hasen. Sie beginnen, gegeneinander zu kämpfen. Der Nussknacker erscheint, um die Soldaten gegen die Truppe des Hasenkönigs anzuführen. Der Nussknacker gerät in Bedrängnis. Doch zum Glück schaltet Clara schnell. Der Nussknacker verwandelt sich in einen Prinzen. Er führt Clara durch die mondhelle Nacht in einen Wunderwald. Schneeflocken tanzen um sie. So beginnt ihre Reise in ein neues, fantastisches Land. Clara, der Prinz und Drosselmeier reisen in das Land der Süßigkeiten. Die Zuckerfee begrüßt sie und inszeniert ein Fest der Süßigkeiten aus aller Welt. Clara wacht in ihrem Sessel auf. Doch sie hat noch ihren Nussknacker. War das alles nur ein Traum?

(Inhaltsangabe dem Programmheft zu dieser Produktion entnommen.)


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HINWEIS: DIE OBIGE AUFNAHME STAMMTE NICHT AUS DER BESPROCHENEN INSZENIERUNG SONDERN DIENT NUR DAZU, EINEN EINDRUCK VON DER MUSIK ZU VERMITTELN.

Bereits bei der KOSTPROBE durfte ich einen vorfreudigen Blick auf die Inszenierung werfen, doch erst die überzeugende Symbiose aus Tanz, Musik, Kostüme, Bühnenbild, Licht und Projektionen beschwor die von mir mit Spannung erwartete Theatermagie herauf.

So tat Palencia gut daran, seine Choreografie nur behutsam zu modernisieren, indem er Modern Dance mit klassischem Ballett kombinierte. Dies ermöglichte ihm – je nach Anforderung an die Szene – die Tänzer*innen athletisch-akrobatisch agieren zu lassen, um dann voller Zartheit den Spitzentanz zu zelebrieren. Im Vergleich zu einer Choreografie zu einem eher abstrakten Thema, wo die Botschaft über die bewegenden Körper transportiert wird, durften hier bei diesem Handlungs-Ballett die Tänzer*innen in eine Vielzahl an Rollen schlüpfen und so auch ihr schauspielerisches Talent zeigen.

Alfonso Palencia konnte sich den Spaß nicht verkneifen, kleine Änderungen an der Handlung vorzunehmen, um so einen Bezug zu Bremerhaven herzustellen. So schenkt Onkel Drosselmeier Fritz kein Spielzeuggewehr, stattdessen erhält er das Model eines Wikingerschiffes, das in der Traumsequenz dann zu einer stattlichen Größe heranwächst, um Clara, dem Prinz und Onkel Drosselmeier als Reisegefährt zu dienen. Auch gibt es keinen Mausekönig: Stattdessen fordert ein Hasenkönig mit seiner Meute an gruseligen Hasen den Nussknacker-König und seine Armee zum Kampf heraus. Hier erinnert Palencia humorvoll an die vielen Langohren, die sich gerne auf dem Deich der Seestadt blicken lassen. Alle diese drolligen Änderungen fügen sich bestens in die Handlung ein. Da verzeihe ich Palencia auch die (entbehrlichen) modernen Tabletts, die im ersten Akt bei den Geschenken unter dem Weihnachtsbaum lagen.

Rosa Ana Chanzá schaffte mit ihren Kostümen wunderbar den Spagat zwischen Modernität und Verspieltheit, zwischen Eleganz und Charakteristik. Yoko Seyama schuf mit ihrem Bühnenbild einen perfekten Rahmen für dieses entzückende Märchenballett. Im Heim der Familie Silberhaus findet sie die gekonnte Balance zwischen „stilisiert“ (Weihnachtsbaum) und „real“ (Kamin). Bei der Traumsequenz sind ihre prächtigen Videoprojektionen sowohl stimmungs- wie auch phantasievoll. Alfonso Palancia wünschte sich eine Ästhetik à la Tim Burton: Diese ist Yoko Seyama aufs Beste gelungen.

Während bei größeren Ballettcompagnien die jeweiligen Partien mit einzelnen Tänzer*innen besetzt werden, schlüpfte hier das gesamte Ensemble in mehrere Rollen. Jede*r erhielt so die Gelegenheit, sich vielseitig zu präsentieren und im Mittelpunkt zu stehen. Insbesondere im 2. Akt nutzten die Tänzer*innen die Charaktertänze, um sich zu profilieren. Melissa Panetta gab eine entzückende ZUCKERFEE. Ming-Hung Weng brühte als CHINESISCHER TEE stets ein gutes Blatt auf. Adrián Sánchez gefiel sowohl als aufgeweckter FRITZ wie auch als kongeniale Partner für Ana Wohlfart Albarran: Als RUSSISCHES BONBON zeigten sie eine eindrucksvolle Performance. Rosana Gutiérrez Ramírez und Javier Zotano Bermúdez überzeugten als ARABISCHER KAFFEE „mit vollem Aroma“. Melissa Festa und Kuang-Yung Chao brillierten rassig als SPANISCHE SCHOKOLADE, wobei Kuang-Yung Chao bereits als geheimnisvoller ONKEL DROSSELMEIER nachhaltig auf sich aufmerksam machen konnte. Rino Watabe, Julia Acedo Nicolás und Sojeong Park ergänzten das Ensemble bestens u.a. als CLARAS FREUNDINNEN und SCHNEEFLOCKEN.

Kiko Noguchi als CLARA und Marco Marongiu als NUSSKNACKER/PRINZ war ein Leading-Paar, das keine Wünsche offenließ. Kiko Noguchi bezauberte durch Anmut und Grazie und meisterte die anspruchsvolle Partie bravourös. Marco Marongiu an ihrer Seite gab einen kraftvollen Prinzen und erstaunte mit seinen athletischen Sprüngen. Gemeinsam gestalteten sie das bekannte „Pas de deux“ im 2. Akt mit all den schwindelerregenden (zumindest für mich) Hebungen, Arabesquen und Pirouetten grandios und setzten hierbei – innerhalb einer ganz und gar wunderbaren Ensemble-Leistung voller Höhepunkte – einen strahlenden Stern auf die Spitze dieser Inszenierung.

Kurz vor Ende des ersten Aktes öffneten sich die Seitentüren zum Foyer, und die Kinder vom Kinderchor des Stadttheaters reihten sich links und rechts seitlich von der Bühne auf, um den Schneeflocken-Walzer stimmschön zu untermalten und (auch dank der versierten Einstudierung durch Edward Mauritius Münch und Katharina Diegritz) zusätzlich ein funkelndes Highlight zu setzten.

Davide Perniceni kitzelte mit dem Philharmonischen Orchester Bremerhaven wohldosiert den Schmelz aus den Kompositionen, ohne in allzu viel Kitsch zu verfallen. So erklangen die Instrumente fein differenziert, und Tschaikowskys schwelgerischen Melodien kamen mit einer erfrischenden Leichtigkeit zu Gehör.

Ich saß im Zuschauersaal – Nein! – ich durfte in einem Zuschauersaal sitzen und mich von der Kunst überwältigen lassen. Während der Vorstellung lief mir immer mal wieder eine Träne über die Wange, nicht weil ich etwa traurig war – im Gegenteil – ich war so glücklich!


Von der Probe…

…zur fertigen Inszenierung:


Die Vorstellungen von DER NUSSKNACKER am Stadttheater Bremerhaven sind restlos ausverkauft. Doch manchmal kommen zurückgegebene Eintrittskarten wieder in den freien Verkauf. Dann heißt es „Zugreifen!“.

[Event] KOSTPROBE / Stadttheater Bremerhaven

KOSTPROBE zur Inszenierung von DER NUSSKNACKER
Termin des Events: 6. Oktober 2025

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


Der Herbst scheint eindeutig in unseren Breiten angekommen zu sein: Als ich die Tür des Parkhauses öffnete, begrüßte mich eine satte Briese, fegte in meine Jacke und ließ mich ein wenig frösteln. Da stand ich nun – wie schon so oft – vor dem Stadttheater Bremerhaven und wartete auf Einlass. Diesmal sollte es keine „fertige“ Aufführung sein, der ich beiwohnen wollte. Vielmehr erwartete mich eine so genannte KOSTPROBE, eine öffentliche Probe zu einer Inszenierung, die in wenigen Tagen Premiere feiern sollte. Schon sehr häufig habe ich nur allzu gerne dieses Angebot genutzt, um meine Vorfreude auf favorisierte Stücke zu steigern oder meine Neugier auf interessante Produktionen zu entfachen. Selbst wenn ich mich nach dem Besuch einer KOSTPROBE entscheiden sollte, mir nicht die Inszenierung anzusehen, so verlassen ich das Theater zumindest nicht dümmer als ich es betreten habe. Wobei: Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich eine KOSTPROBE besucht und mir danach nicht die fertige Inszenierung angeschaut habe.

Wer schon vor der Premiere wissen möchte, was bei unseren neuen Produktionen und anstehenden Konzerten zu erwarten ist, ist bei den Kostproben an der richtigen Adresse. Sie bieten allen Interessierten die Möglichkeit schon vorab einen Einblick in unser Programm zu bekommen – und das kostenlos!

(Text der Homepage des Stadttheaters Bremerhaven entnommen.)

Die Türen öffneten sich, und gemeinsam mit mir strömte eine stattliche Zahl an interessierten Menschen ins große Haus des Stadttheaters. Auf der schwarz verhangenen Bühne stand nur ein schmuckloser Tisch in Gesellschaft dreier ebenso schmuckloser Stühle, im Orchestergraben warteten einsam und verlassen einige Instrumente auf ihre musikalischen Meister*innen.

Heute gab es für die Öffentlichkeit erste Einblicke zum Märchenballett DER NUSSKNACKER mit der Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky. Ballettdirektor und Chefchoreograf Alfonso Palencia, Bühnenbildnerin und Videokünstlerin Yoko Seyama sowie Torben Selk, der als Dramaturg diese Produktion begleitet, betraten die Bühne und nahmen auf den Stühlen Platz. Torben Selk fungierte in dieser Runde auch als Moderator und Interviewer. So erfuhren wir u.a. vorab, wann Palencia und Seyama jeweils das erste Mal mit dem Werk in Berührung kamen, welche tänzerischen Stile in der Choreografie von Palencia sich vereinen, und welches optische Konzept ihm vorschwebte, das dann von Seyama im Bühnenbild umgesetzt wurde…

Dann gesellten sich peu à peu die Musiker*innen zu den bisher vereinsamten Instrumenten im Orchestergraben, und der typische Klangteppich, der beim Stimmen der Instrumente ertönt, war zu hören. Mit dem Erscheinen des musikalischen Leiters Davide Perniceni kehrte wieder Ruhe in das Orchester ein – wenn auch nur kurzzeitig.

Bei der KOSTPROBE erleben wir – je nach Inszenierung – die Sänger*innen, Schauspieler*innen, Tänzer*innen und/oder das Orchester völlig pur. Es gibt durchaus schon Teile des Bühnenbildes zu bewundern, allerdings ohne Beleuchtung, Videoprojektionen oder sonstigen Theaterzauber. Auch die Darstellenden erscheinen ohne Maske und Kostüm – evtl. tragen sie ihr Proben-Kostüm. Auch wird das Stück nicht in einem Rutsch durchgeprobt, sondern nach Bedarf unterbrochen, und Szenen werden wiederholt: Der Regisseur feilt mit den darstellenden Künstler*innen noch an den Feinheiten, oder der musikalische Leiter stimmt die Einsätze und das Tempi mit Orchester und Sänger*innen ab.

Doch heute präsentierte uns Alfonso Palencia (s)eine KOSTPROBE aus einem Guss: Er hatte zu diesem Anlass besondere Szenen aus jedem Akt von DER NUSSKNACKER vorbereitet, bei denen einerseits die tänzerische Ausdruckskraft der Solist*innen wie auch das Zusammenspiel des gesamten Ensembles im Fokus stand. Charmant moderierte Palencia die einzelnen Programmpunkte und erläuterte seine Intensionen, die er in seiner Choreografie ausdrücken wollte. Dabei wurden die Tänzer*innen von ihm respektvoll mit Namen dem Publikum vorgestellt und erhielten nach jeder Darbietung ihren verdienten Applaus.

Nach ca. 2 Stunden wurde das Publikum verabschiedet: Übervoll mit Eindrücken verließ ich das Theater, vorfreudig auf die kommende Inszenierung. Der Abend hatte sich über die Stadt gelegt, und so strahlte das Plakat zu DER NUSSKNACKER im Schein des beleuchteten Theaters märchenhaft zu mir herab.

Das Märchenballett DER NUSSKNACKER feiert heute seine Premiere im großen Haus des Stadttheaters Bremerhaven. Ich wünsche allen Beteiligten…

🍀 TOI – TOI – TOI 🍀


Weitere Termine zu den KOSTPROBEN und vielen weiteren Extras findet Ihr auf der Homepage vom Stadttheater Bremerhaven.

[Schauspiel] Monika Helfer – DIE BAGAGE / Stadttheater Bremerhaven

von Monika Helfer / Erstaufführung der Fassung von Coco Plümer

Premiere: 12. September 2025 / besuchte Vorstellung: 27. September 2025

Stadttheater Bremerhaven / Kleines Haus


IINSZENIERUNG Ingrid Gündisch
BÜHNE & KOSTÜME
Ilka Meier
DRAMATURGIE
Peter Hilton Fliegel
LICHT 
Frauke Richter
REGIEASSISTENZ & ABENDSPIELLEITUNG & INSPIZIENZ Florian Thiel
SOUFFLAGE Melia Holl (FSJ Kultur)
EINSTUDIERUNG ENSEMBLE Hartmut Brüsch
EINSTUDIERUNG KINDER Katharina Diegritz, Edward Mauritius Münch

Literaturverfilmungen gibt es zuhauf – mal mehr, mal weniger gelungen. Doch manchmal schafft es auch ein Roman auf die Sprechbühne, und vor den eigenen Augen hauchen Schauspieler*innen den Figuren Leben ein. Jede Aufführung ist einzigartig, und mit jeder Aufführung entwickeln sich die Figuren weiter. Ob Coco Plümer mit ihrer Bühnenadaption von DIE BAGAGE der Roman-Vorlage von Monika Helfer treu geblieben ist und diese gut umgesetzt hat, kann ich leider nicht beurteilen, da ich den Roman bisher noch nicht gelesen habe. Ich kann aber durchaus beurteilen, ob aus einem Stapel beschriebenem Papier unter Bündelung der Talente aller Beteiligten auf der Bühne eine fesselnde Inszenierung geworden ist.

Die Bühne, ohne Vorhang, schwarz und leer, nichts lenkte das Auge ab. Ein Kind setzte sich in den Lichterkegel des Scheinwerfers, malte mit einem Stück Kreide ein Bild auf den Boden und summte leise die Melodie „Maria durch ein Dornwald ging“. Eine junge Frau erschien mit einer Wanne unter dem Arm und begann die strahlend weiße, frisch gewaschene Wäsche aufzuhängen. Aus dem Hintergrund des Zuschauersaals ertönte die Stimme der Erzählerin…


HINWEIS: DIE OBIGE AUFNAHME STAMMTE NICHT AUS DER BESPROCHENEN INSZENIERUNG.

Josef und Maria Moosbrugger leben mit ihren Kindern am Rand eines Bergdorfes. Sie sind die Abseitigen, die Armen, die Bagage. Es ist die Zeit des ersten Weltkriegs und Josef wird zur Armee eingezogen. Die Zeit, in der Maria und die Kinder allein zurückbleiben und abhängig werden vom Schutz des Bürgermeisters. Die Zeit, in der Georg aus Hannover in die Gegend kommt, der nicht nur hochdeutsch spricht und wunderschön ist, sondern eines Tages auch an die Tür der Bagage klopft. Und es ist die Zeit, in der Maria schwanger wird mit Grete, dem Kind der Familie, mit dem Josef nie ein Wort sprechen wird: der Mutter der Autorin.

(Inhaltsangabe der Homepage des Verlages entnommen!)

Regisseurin Ingrid Gündisch hatte sich von Ausstatterin Ilka Meier eine Black-Box auf die Bühne stellen lassen, die in ihrer dunklen Kargheit automatisch den Fokus auf die Figuren lenkte und diese animierte, auf die inneren wie auch äußeren Reize zu reagieren. Gundisch ließ ihre Figuren einerseits zwischen Wahrnehmung und Reaktion agieren, doch ihre Beweggründe blieben oftmals im Verborgenen. Weiße Blusen und Hemde sowie die weißen Laken, die im Laufe der Vorstellung auf die Leinen gehangen wurden und so unterschiedliche Spielräume bildeten, ließen dagegen einen scharfen Kontrast entstehen. Teilweise schmerzte mir das Strahlen des Weißes in den Augen und ließ die Personen vor ihm wie von einer Aura umrahmt erscheinen. Weiße Wäsche ist unserer Heldin so wichtig: „Wir sind zwar arm, aber wir müssen nicht so aussehen.“ Zwischen all dem vielen Weiß und Schwarz wirkte das hellblaue Kleid, das Maria kurzzeitig trug, wie ein Störfaktor. Und genau dies sollte es wohl auch sein: Maria in ihrem blauen Kleid ist ein Störfaktor in der schwarz-weißen Welt der spießigen Bewohner des Bergdorfes. Die Regisseurin führte ihr Ensemble behutsam durch die Handlung, lässt ihm aber auch genügend Raum, um zu atmen und Gefühl(sausbrüch)e zuzulassen. Die Textfassung von Coco Plümer überzeugte durch ihre glaubwürdigen Dialoge, die stets natürlich zur jeweiligen Person passten. So ermöglichte sie den Schauspieler*innen, aus papierene Figuren Menschen aus Fleisch und Blut zu kreieren.


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Ein Kind setzte sich in den Lichterkegel des Scheinwerfers: Carla Lou Schreuder stand stellvertretend für alle Kinder der Moosbrugger, um sich schlussendlich in der Figur der Grete zu manifestieren. Dabei wirkte sie in ihrer Zartheit so unschuldig und darum so verletzlich.

Angelika Hofstetter gab die Erzählerin – sozusagen die Stimme der Autorin Monika Helfer – energetisch zwischen Sanftheit und Wut und verstand es großartig, die Vielzahl an Erklärungen abwechslungsreich zu gestalten. Zudem schlüpfte sie spielerisch in die Rolle des Sohnes Lorenz und verdeutlichte als Dorfpfarrer dessen verlogene Bigotterie.

Leon Häder gelang es mit nur wenigen Änderungen der Garderobe, dafür vielmehr durch Haltung und Stimmfärbung die unterschiedlichen Männerrollen darzustellen: Scheinbar mühelos wechselte er vom schleimig-anbiedernden Bürgermeister Fink zum offenen, lebensfrohen Georg, um uns dann in die seelischen Tiefen von Josef Moosbrugger, diesem äußerlich stillen, doch durchaus leidenschaftlichen Mann, blicken zu lassen.

Wie Planeten um die Sonne kreisten diese drei Menschen um Anna Caterina Fadda, die Maria Moosbrugger mir einer beeindruckenden wie auch beängstigenden Intensität verkörperte. Sensibel kreierte sie ein kraftvolles Frauenbild, modern zu ihrer Zeit, kämpferisch und mit unverbrüchlicher Haltung. Dabei warf sie sich so schonungslos in die Rolle, dass ihr die Tränen über die Wangen rannen. Und selbst im Stadium der größten Emotionalität war ihre Darstellung reich an Nuancen. Chapeau!!!

Es dauerte einen Moment, bis das Publikum am Ende der Vorstellung in frenetischem Applaus ausbrach: Anscheinend brauchten wir alle einige Sekunden des Innehaltens, bevor wir in einem begeisterten Jubel ausbrechen konnten. Im kleinen Haus des Stadttheaters wurden wir Zeuge, wie große Literatur dank Talent und Respekt auf die Bühnenbretter gezaubert wurde, die uns dann gänzlich verzauberte. Der geheimnisvolle Theaterzauber: Hin und wieder gibt es ihn tatsächlich!

Auf dem Heimweg saßen mein Mann und ich schweigsam sinnierend nebeneinander im Auto. Wir waren vom Erlebten so sehr ergriffen, da wäre jedes Wort zu viel gewesen. In Gedanken wanderte ich zurück in meine Kindheit und erinnerte mich an Begebenheiten, da das Verhalten von Mitgliedern meiner Bagage durchaus Einfluss auf mein Werden nahm. Und ich fragte mich…

„Wie lange haften die Taten meiner eigenen Bagage noch an mir?“
und
Wann bin ich endlich von der Familienschuld befreit, da das kollektive Gedächtnis
die Verfehlungen meiner Vorfahren vergessen hat?“


Noch bis Anfang Januar 2026 verspricht das Stadttheaters Bremerhaven mit DIE BAGAGE einen intensiven Theaterabend.

Der Roman ist erschienen bei Carl Hanser / ISBN: 978-3446265622

[Konzert] ERÖFFNUNGSGALA 2025/2026 / Stadttheater Bremerhaven

mit dem Marsch Nr. 1 aus der SUITE FÜR JAZZORCHESTER NR. 2 von Dimitri Schostakowitsch sowie Arien, Songs und Musiken von Emmerich Kálmán, Sergei Prokofjew, Guiseppe Verdi, Antonio Vivaldi, Pjotr Iljitsch Tschaikowsky, Vincenco Bellini, Stephen Sondheim und Erich Wolfgang Korngold

mit Ausschnitten aus SEIN ODER NICHTSEIN von Nick Whitby, DIE BAGAGE von Coco Plümer (nach Monika Helfer), 20.000 MEILEN UNTER DEM MEER von Justine Wiechmann (nach Jules Verne), TROJA! BLINDE PASSAGIERE IM TROJANISCHEN PFERD von Henner Kallmeyer, FÜNFTER SEIN von Inda Buschmann und JUB-Ensemble

sowie aus den Balletten DIE VIER JAHRESZEITEN und DER NUSSKNACKER von Alfonso Palencia

Premiere: 30. August 2025 / besuchte Vorstellung: 30. August 2025

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


MUSIKALISCHE LEITUNG Marc Niemann, Davide Perniceni, Hartmut Brüsch
CHOR Edward Mauritius Münch
SZENISCHE EINRICHTUNG Annika Ellen Flindt
MODERATION Lars Tietje, Marc Niemann, Peter Hilton Fliegel, Bianca Sue Henne, Alfonso Palencia, Markus Tatzig

Musiktheater: Timothy Edlin, Meredith Hoffmann-Thomson, Marcin Hutec, Andrew Irwin, Victoria Kunze, Boshana Milkov, Weilian Wang
Ballett: Marco Maronglu, Dawon Yang und Ballettkompagnie
Schauspiel: Frank Auerbach, Anna Caterina Fadda, Leon Häder, Angelika Hofstetter, Julia Lindhorst-Apfelthaler, Alexander Smirzitz und Marc Vinzing
JUB: Ümran Algün, Sander Lybeer, Coco Plümer und Tobias Sill
Opernchor am Stadttheater Bremerhaven
Philharmonisches Orchester Bremerhaven


Wie schön, dass diese furchtbare theaterlose Zeit nun (vorerst) vorbei ist!

Hatte ich mich zwar – wie auch schon in den vergangenen Jahren – mit der entsprechenden Lektüre versucht zu trösten und bin so zwischen zwei Buchdeckeln auf kultureller Wanderschaft gegangen, so war dies doch eher ein schwacher Ersatz für einen Besuch in einem echten Theater. Und so fieberte ich dem vergangenen Wochenende, an dem mein Stammtheater zwei Tage lang den Saison-Beginn zelebrieren sollte, voller Freude und Neugier entgegen.

Äußerst schwungvoll eröffnete GMD Marc Niemann und das Philharmonische Orchester Bremerhaven mit dem Marsch Nr. 1 aus der SUITE FÜR JAZZORCHESTER NR. 2 von Dimitri Schostakowitsch die Gala. Beinah schien es, als hätte der Komponist versucht, alles Militärische in diesem Marsch spielerisch zu ironisieren. Es wird die letzte Spielzeit von Marc Niemann am Hause sein: So kann BRÜCKEN, der Titel der kommenden Konzert-Saison wohl programmatisch interpretiert werden. Doch er hat in den vergangenen Jahren „das Feld“ (aka das Orchester) gut bestellt und mit Davide Perniceni und Hartmut Brüsch zwei feste Stützen am Haus, die auch an diesem Abend zeigten, dass sie das Philharmonische Orchesters souverän zu leiten verstanden.

Auch in diesem Jahr ließ es sich Intendant Lars Tietjen nicht nehmen, die Gala eloquent zu moderieren und uns somit durch den Abend zu geleiten. „Schützenhilfe“ erbat er sich von den jeweiligen Sparten-Leitungen Peter Hilton Fliegel, Bianca Sue Henne, Markus Tatzig und Alfonso Palencia, die das Programm gemeinsam mit den Künstler*innen zusammengestellt hatten und so noch viele zusätzliche Informationen zu den entsprechenden Programmpunkten beisteuern konnten.

„So viele Komödien wie in dieser Spielzeit, spielen wir sonst nie“ meinte Peter Hilton Fliegel beinah entschuldigend und fügt hinzu, dass genau diese Art von Komödien so wichtig sei, da sie diejenigen verspottet, die unsere Freiheit bedrohen. Eingedeckt mit diesem Hintergrundwissen erhielt die Szene aus Nick Whitbys SEIN ODER NICHTSEIN, mit der das Schauspiel die Saison im großen Haus einläutet, eine zusätzliche Würze. Julia Lindhorst-Apfeltahler und Marc Vinzing boten einen pointiert-ironischen wie auch amüsanten Ausschnitt aus dieser wohl herrlich doppelbödigen Komödie.

Mit ihrer aparten Erscheinung und der Arie „Heia, in den Bergen ist mein Heimatland“ aus DIE CSÁRDÁSFÜRSTIN von Emerich Kálmán stellte sich Sopranistin Meredith Hoffmann-Thomson dem Bremerhavener Publikum vor. Gemeinsam mit dem bestens aufgelegten Opernchor unter der Leitung von Edward Mauritius Münch bot sie reichlich Operetten-Seligkeit.

Dann betrat ein schlanker Jüngling die Bühne und überraschte mit seiner vollen Stimme: Bassbariton Timothy Edlin überzeugte gemeinsam mit Andrew Irwin in einer drolligen Szene aus der Oper DIE LIEBE ZU DEN DREI ORANGEN von Sergei Prokofjew, die Lust auf mehr machte.

Auch der letzte Neu-Zugang im Opern-Ensemble überzeugte auf ganzer Linie: Weilian Wang präsentierte bei „Lunge da lei … O mio rimorso!“ aus LA TRAVIATA, all das, was ich mir von einer tragfähigen, schön timbrierten Tenor-Stimme erhoffe.

Einer der Höhepunkt der jährlichen Gala ist stets die Verleihung des Herzlieb-Kohut-Preises, mit dem besondere künstlerische Leistungen am Stadttheater Bremerhaven gewürdigt werden. Die Namensgeberin, die in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts selbst im Ensemble des Stadttheaters Bremerhaven war, hätte in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag gefeiert. Zudem vergab die Stiftung bereits seit 20 Jahren diesen nach ihr benannten Preis. Anlass genug, ihr Leben in Wort und Bild durch die/den frühere*n Preisträger*in Julia Lindhorst-Apfelthaler, Victoria Kunze und Mark Vinzing Revue passieren zu lassen.

In den vergangenen Jahren habe ich im Vorfeld immer gerätselt, wer den Preis erhalten könnte. Längst habe ich dies aufgegeben und lasse mich an dem Abend gerne überraschen. Wobei Insider, die einen wissenden Blick auf das Programm werfen, natürlich klar im Vorteil sind: Die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch, dass der Programmpunkt, der nach der Verleihung an der Reihe ist, im direkten Zusammenhang mit dieser steht. Auch in diesem Jahr traf es zu: Ballettdirektor und Chefchoreograf Alfonso Palencia, Assistent Bobby Briscoe und die Tänzer*innen der Ballettcompagnie durften diesen Preis für ihre herausragende künstlerische wie tänzerische Leistung in der vergangenen Spielzeit entgegen nehmen. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

Direkt im Anschluss zeigte die Compagnie ihre Kunst in einem Ausschnitt aus dem Ballett zu DIE VIER JAHRESZEITEN aus der Saison 2023/2024. Mit dem „Pas de deux“ aus DER NUSSKNACKER begeisterten Dawon Yang und Marco Maronglu voller Grazie, Kraft und Anmut und machten Lust auf Tschaikowskis Märchenballett, dass im Oktober im Großen Haus zur Premiere kommt.


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Im JUB – Junges Theater Bremerhaven steht mit TROJA! BLINDE PASSAGIERE IM TROJANISCHEN PFERD von Henner Kallmeyer anscheinend eine sehr vergnügliche „Geschichtsstunde“ auf dem Programm, wie uns Coco Plümer, Tobias Sill und Sander Lybeer nachdrücklich bewiesen. Zu dem danach folgenden Auszug aus FÜNFTER SEIN gesellte sich zusätzlich Ümran Algün mit einem charmanten Auftritt zu ihren Kolleg*innen vom JUB.

Im kleinen Haus feiert bald DIE BAGAGE nach dem Roman von Monika Helfers seine Premiere. Diese Bühnenfassung wurde von JUB-Schauspielerin Coco Plümer erstellt und kommt somit als Erstaufführung auf die Bühne. Anna Caterina Fadda, Leon Häder und Angelika Hofstetter gaben einen sehr intensiven Einblick von der ersten Szene des Stücks.

„Romeo & Julia III.“: Nachdem in den vergangenen Jahre sowohl der Klassiker von Shakespeare als auch das Ballett mit der Musik von Prokofjew auf einer der Bühnen des Stadttheaters zu sehen war, scheint der Weg zur Opern als logische Folge unausweichlich. Als konzertante Fassung wird I CAPULETI E I MONTECCHI von Vincenzo Bellini den Spielplan bereichern. Sopranistin Victoria Kunze kleidete bei der Romanze „Oh! Quante volte“ Julias Sehnsucht nach ihrem Liebsten in feinen lyrischen Gesangslinien voller sanfter Melancholie.

Mit SWEENEY TODD von Stephen Sondheim steht in dieser Saison ein grandioses Werk aus dem Musical-Kanon auf der Agenda des Stadttheaters Bremerhaven. Wie feinsinnig, subtil und gleichzeitig lustig Musical sein kann, das beweist nicht nur dieses Werk sondern auch die Interpretin bzw. der Interpret. Nuanciert, mit schlichter Zurückhaltung und zartem Schmelz besang Tenor Andrew Irwin als Anthony seine große Liebe „Johanna“. Voller Spielfreude schlüpfte Mezzosopranistin Boshana Milkow in die Rolle der Mrs. Lovett und versuchte schlitzohrig und mit deftigen Charme „Londons schlimmste Pasteten“ unter das Volk zu bringen (Oder doch eher das Volk unter die Pasteten?). Beide meisterten sie grandios die Tücken der anspruchsvollen Partitur.

Apropos „schlichte Zurückhaltung“: Für die Arie „Mein Sehnen, mein Wehnen“ aus DIE TOTE STADT von Erich Wolfgang Korngold schien die lyrische Stimme des Baritons Marcin Hutek geradezu prädestiniert zu sein. Hier bewahrheitete sich abermals das Motto „weniger ist mehr“, denn nicht jedes Musikstück gewinnt durch eine auftrumpfende Stimme.

Doch dank LA TRAVIATA muss auf die große Oper in dieser Saison nicht verzichtet werden: Bevor Victoria Kunze und Weilian Wang mit „Libiamo, ne´lieti calici“ das ganz große Opern-Besteck auspackten, glänzte der Opernchor bei „Cori di Zingarelle/Mattadori“ in schönster stimmlicher Pracht.

Wie ein prall gefüllter Korb mit vielfältigen Leckereien präsentierte das Stadttheater Bremerhaven sein Programm zur Spielzeit 2025/2026 und lockte so verführerisch, dass ich mit Sicherheit das eine oder andere kulturelle Häppchen davon naschen werde.


THEATERFEST 2025 Nur wenige Stunden später lud das Stadttheater Bremerhaven zum Theaterfest ein, öffnete alle seine Türen und präsentierte ein buntes Programm vor, auf, hinter und neben der Bühne, u.a. mit Führungen, Mini-Konzerte, Besuch der Werkstätten, Einblicke in Proben, Kostümverkauf und vielen Mitmach-Aktionen. Da fiel es mir wahrlich schwer, eine Auswahl zu treffen, und ich musste aufpassen, dass es nicht zu einem Theater-Marathon ausartete. Glücklicherweise ist bei mir ein „Programmpunkt“ zwecks Regeneration jedes Jahr fest gesetzt: Der Besuch des Kuchenbüfetts der Landfrauen! 😉

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Mit der Eröffnungsgala und dem Theaterfest beginnt offiziell die SAISON 2025/2026 am Stadttheater Bremerhaven, das mich wieder mit einem vielfältigen Programm begeistert.

[Ausstellung] Laura und Christel Lechner – ALLTAGSMENSCHEN / Stadt Bremerhaven

Dauer der Ausstellung: 24. Juli bis 25. Oktober 2025 / Besuch: 21. August 2025
Kunst im öffentlichen Raum / Skulpturen in der Bremerhavener Innenstadt


KUNST IM ÖFFENTLICHEN RAUM kann funktionieren – muss aber nicht. Obwohl: Was bedeutet „funktionieren“? Wie lautet da die Definition? „Funktioniert“ Kunst erst dann, wenn sie sich dem öffentlichen Raum anpasst und möglichst harmonisch mit ihm verschmilzt. Oder ist ein „Funktionieren“ erst dann gelungen, wenn die Kunst einen Bruch zu ihrem Umfeld darstellt und somit die Gemüter der Betrachtenden erhitzt? So viele, schwer zu beantwortende Fragen…!

So vielfältig wie die Kunst ist, so individuell ist der Blickwinkel, und so persönlich ist das Empfinden beim Betrachten incl. der Möglichkeiten zur Interpretation. Die Künstlerinnen Laura Lechner und Christel Lechner beschäftigen sich über Jahrzehnte mit KUNST IM ÖFFENTLICHEN RAUM und haben dafür ein ganz und gar wunderbares Medium gewählt. Sie kreieren lebensgroße Skulpturen aus Beton. Ihre ALLTAGSMENSCHEN „stellen eine künstlerische Inszenierung des Alltäglichen dar. Berührende Momentaufnahmen die zeigen, was gemeinhin übersehen wird: Das gelebte Leben in seiner reinsten Form. Ungeschönt und dennoch fern von Banalität.“ (Quelle: Homepage der Künstlerinnen)

​Nach Wiedenbrück, Oberkirch, Höxter, Fulda, Sylt und Montreux haben die ALLTAGSMENSCHEN nun auch den Weg in die Seestadt an der Weser gefunden und bereichern mit ihrer bloßen Anwesenheit die Innenstadt. Dank der div. Foto-Gruppen auf Social Media konnte ich bereits einen Blick auf die lustigen Gesell*innen werfen. So startete auch ich vorfreudig meinen Spaziergang durch die Bremerhavener Innenstadt und kam dabei an vielen Orten vorbei, an denen ich schon sehr lange nicht mehr war.

Da stand der FERNGLASMANN auf der oberen Promenade der Havenwelten. Doch anstatt durch sein Fernglas einen Blick auf die Weite des Wassers zu werfen, drehte er diesem den Rücken zu und richtete seinen Blick die Fassade des ATLANTIC Hotel Sail City hinauf. Stehen normalerweise dort oben die Menschen auf der Aussichtsplattform, genießen das Panorama und wagen einen voyeuristischen Blick hinunter, so hatte der FERNGLASMANN den Spieß umgedreht und sie nun ins Visier genommen. Automatisch folgte auch ich seinem Blick…!

Wenige Meter weiter hätte ich beinah das AMERIKANISCHE PAAR übersehen, das am Museumshafen nahe dem Übergang zum Columbus Center am Hafenbecken stand. Es wirkte, als könnte es frisch mit einem Kreuzfahrtschiff angekommen sein. Dabei hatten die Beiden selbst für den Sommer eine sehr luftige Garderobe gewählt. Vielleicht waren sie mit Badeanzug und Badeshorts auch gerade auf den Weg in die nahe Shopping-Meile, um sich für das abendliche Käpt’ns Dinner neu einzukleiden. Doch wo nur hatten sie bei dem Outfit das Portemonnaie oder die Kreditkarte versteckt?

Direkt an der Columbusstraße gegenüber dem Bergungsschlepper SEEFALKE stolperte ich über einen MANN MIT TRENCHCOAT & KOFFER. Da stand er nun mit seinem Gepäck am Rande des Wassers und wartete stumm. Doch sein südländisch erscheinendes Aussehen sprach zu mir und bot mir reichlich Raum zur Interpretation: Kam er als Geflüchteter gerade an? Oder wollte er sich als Auswanderer auf den Weg in eine neue Welt wagen? Oder war er einer der vielen ausländischen Matrosen, die auf einen der Schiffe der Hochseefischerei anheuern wollten?

Beim Eingang der Theaterkasse am Stadttheater Bremerhaven stieß ich mit einem weiteren STADTBESUCHER zusammen, der in entspannter Haltung auf etwas oder jemanden zu warten schien. Auf mein freundliches „Moin! Kann ik wat hölpen?“ verzog er keine Mine. Eindeutig war er nicht von hier und verstand darum kein Platt.


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Bei der Städtischen Sparkasse musste ich hurtig zur Seite springen, da DIE PUTZFRAU, nachdem sie anscheinend frisch durch die Schalterhalle gewischt hatte, ihren Putzeimer mit dem Schmutzwasser direkt vor meinen Füssen auf der Straße entleerte. Meinen Ausruf der Empörung schluckte ich schnell hinunter, da sie ihren Putzlappen noch drohend in der Hand hielt. Bei dieser resoluten Person hätte ich sicherlich den Kürzeren gezogen.

Plötzlich kreuzte eine lustige Schar Typen mit ihrer POLONAISE meinen Weg. Sie schienen direkt aus der großen Kirche zu kommen und wirkten sehr fröhlich, ja, beinah ausgelassen. Sie blickten aus glasigen Augen in die Welt, und ein seliges Lächeln umspielte ihre Lippen. Vielleicht waren sie allesamt Mitglieder des Kirchenvorstands, bei denen die Weinprobe zwecks Wahl des Messweines ein bisschen aus dem Ruder gelaufen war? Wer weiß…?

Bei der Abriss-Ruine des alten Karstadt-Gebäudes stieß ich auf ein Trio BAUARBEITER, das weniger mit Arbeiten beschäftigt war, dafür umso entspannter das Treiben auf dem Wochenmarkt beobachtete. Kein Wunder, das der Abriss dieses traditionsreichen Hauses in den letzten Monaten so ins Stocken geriet: „Meine Herren, wenn sie in dem Tempo weiter-„arbeiten“, wird das hier nie was?“ Was sie wohl in ihren roten Taschen hatten? Pausenbrot und Bier?

Mit GERAFFTE RÖCKE zog die Dame am Wasserspiel in der Fußgängerzone zwischen Mühlenstraße und Keilstraße alle Blicke auf sich. Ihre Mundwinkel zuckten schelmisch, als amüsierte sie sich über die Reaktionen der vorbeieilenden Fußgänger*innen. Doch nichts und niemand könnte sie davon abhalten, diese kleine kühlende Erfrischung zu genießen.

An der Ecke Keilstraße/Columbusstraße direkt gegenüber dem Deutschen Auswandererhaus konnte ich gerade noch ausweichen, sonst hätte mich sicherlich das BERLINER PAAR über den Haufen gerannt. Sie schritt resolut voran, während er verzweifelt versuchte, ihrem Tempo Stand zu halten und sie dabei mit einem großen Schirm vor der Sonne zu beschatten. Ich konnte mir ein amüsiertes Schmunzeln nicht verkneifen. So wirkte dieses charmante Pärchen auf mich, als wären sie aus der Feder des bekannten Illustrators Hans Traxler direkt auf den Fußweg geflossen.

„Mich interessiert das, was die Menschen verbindet. So schafft die Kunst der Alltagsmenschen einen Perspektivenwechsel und dient als das verbindende Element.“ lässt Laura Lechner auf ihrer Homepage verlauten. Ich muss ihr attestieren, dass ihr dies ganz hervorragend gelungen ist. Ich schaute mir die Skulpturen an, sofort startete mein Kopfkino, und ich fragte mich, welche Geschichten sich dahinter verbergen könnten. Beinah automatisch entwarf ich für jeden ALLTAGSMENSCHEN eine eigene kleine Biografie. Ich nahm ihre Wirkung am besagten Standort wahr oder folgte ihrem Blick. Beides veranlasste mich, meine Sichtweise auf die mir bekannte Umgebung zu ändern. Auf meinem Spaziergang durch die Innenstadt erlebte ich zufällige Begegnungen mit Passant*innen und kam mit ihnen ins Gespräch: Es war immer eine angenehm leichte Plauderei, so als würde die Lebendigkeit, die die Figuren ausstrahlten, auch auf uns abfärben.

Leichtigkeit, Lebendigkeit, Leben: Da saß ich nun an der Weser, spürte den Wind, der die Weiten der Nordsee schon erahnen ließ, und blickte über das Wasser in die Ferne. Dank dem schützenden Deich hinter mir durfte ich für einen kostbaren Moment dem Lärm der Stadt entsagen und genoss so sehr diesen stillen, friedvollen Augenblick. Ohne meinen Besuch bei den ALLTAGSMENSCHEN wäre mir dies entgangen…!


Habt ihr Lust auf einen humorvollen Spaziergang durch die Innenstadt Bremerhavens? Dann findet ihr auf der HOMEPAGE der ALLTAGSMENSCHEN alle nötigen Informationen.

[Rezension] Marko Simsa – MEIN ERSTES BUCH VOM ORCHESTER. Willkommen in der Welt der Musikinstrumente/ mit Illustrationen von Christine Faust

Die Sommerpause neigt sich langsam dem Ende entgegen. Es dauert nicht mehr lange, und die Theater- und Konzerthäuser öffnen wieder ihre Türen für die Spielzeit 2025/2026. Auch mein Stammtheater, das Stadttheater Bremerhaven wird in wenigen Tagen in die neue Saison mit einem fulminanten Eröffnungs-Wochenende starten. Ich freue mich schon sehr…!

Und so endet mit MEIN ERSTES BUCH VOM ORCHESTER auch meine kleine Vorstellung von Literatur, die mir helfen sollte, die theaterlose Zeit zu überbrücken. Hierbei handelt es sich um einen erfolgreichen Klassiker aus dem Annette Betz-Verlag, der nach über 25 Jahren in einer überarbeiteten und neu illustrierten Fassung nun abermals veröffentlicht wurde, um weiteren Generationen an Kids die Welt der Musik näher zu bringen. Und dies gelingt Autor Marko Simsa mit Illustratorin Christine Faust und dem Orchester Camerata Wien unter der musikalischen Leitung von Erke Duit auch recht gut.

Lina ist aufgeregt: Sie darf Onkel Theo, der Dirigent ist, bei einer Orchesterprobe begleiten! Alle Musikerinnen und Musiker zeigen Lina ihre Instrumente. Dass die Geige sogar miauen kann und die Querflöte wie ein Vogel trillert, beeindruckt auch Kater Silvester: Lina durfte ihn ausnahmsweise mitnehmen! Mit Lina und ihrem Kater lernen Kinder spielerisch das Orchester kennen. Im Begleit-Hörbuch wird jedes Instrument in Tonbeispielen und Text vorgestellt. Zum Abschluss spielt das ganze Orchester zusammen beim großen Konzert!

 (Inhaltsangabe der Homepage des Verlages entnommen!)

Man merkt Marko Simsas Text deutlich an, dass er reichlich Erfahrung mit einem jungen Publikum hat: Charmant doch unaufgeregt erzählt er die Geschichte von Linas Begegnung mit den Musiker*innen und ihren Instrumenten. Dabei streute er immer wieder humorvolle Dialoge in die Handlung, blieb dicht an der kindlichen Erlebniswelt und ließ potentielle Fragen der kleinen Leser*innen in Vertretung durch Lina stellen. Sehr genau, doch nicht ermüdend detailliert erklärte er die einzelnen Instrumente – sowohl die Einzigartigkeit als auch die Gemeinsamkeiten – und ihre Spielweise und wies auf Besonderheiten hin, die die zukünftigen Orchesterfans bei ihrem nächsten Konzertbesuch selbst bei den jeweiligen Instrumenten im Orchestergraben entdecken könnten. Auch eine Erklärung zu den jeweiligen Instrumentengruppen, die sich in einer besonderen Aufstellung schlussendlich zu einem Orchester formieren, fehlte selbstverständlich ebenso wenig.

Christine Faust blieb mit ihren Illustrationen ebenso nah an der kindlichen Erlebniswelt wie Simsa mit seinem Text. Mit klaren Formen und Farben kreierte sie sympathische Figuren mit einer sehr individuellen Optik, die ein Wiedererkennen der Musiker*in auf den Folgebildern erleichterten, Details hervorhoben und so eine deutliche Unterscheidung der Instrumente möglich machten.

Die beigefügte CD kann beinah als eigenständiges Medium gesehen werden: Zwar nimmt Sprecher Marko Simsa durchaus Bezug auf das Bilderbuch, doch gestaltete den Text nicht als bloße Nacherzählung der Bilderbuchhandlung, sondern er hob diesen auf eine zusätzliche Erzählebene.

Vielmehr legte er den Schwerpunkt deutlich mehr auf die einzelnen Instrumente, erläuterte anhand vieler Musikbeispiele, wie unterschiedlich die Instrumente bei ein und derselben Melodie klingen und schloss die Vorstellung der einzelnen Instrumente mit einer Passage aus dem klassischen Repertoire, bei dem das jeweilige Instrument besonders prägnant hervortritt. Bei der Musikauswahl wählte er beliebte Kinderlieder und bekannte klassische Stücke, die sicherlich einen hohen Wiedererkennungswert beim jungen Publikum haben.

Beste musikalische Unterstützung erhielt er durch Dirigent Erke Duit und den Musiker*innen des Orchesters Camerata Wien, die die CD mit einem gelungenen „Mini-Konzert“ beschlossen und so verdeutlichten, wie wunderschön es klingt, wenn die Instrumente der einzelnen Gruppen sich zu einem harmonischen Klangkörper vereinen.

Die Geschichte von Ninas Besuch bei einem Orchester mag für viele wie ein Märchen klingen, doch vielen Orchestern liegt die Musikvermittlung an Kinder und Jugendliche sehr am Herzen, wie auch dem Philharmonischen Orchester Bremerhaven. Da gibt es beim FAMILIENKONZERT immer ein musikalisches Vorprogramm im oberen Foyer des Stadttheaters Bremerhaven, bei dem die Kids unter Anleitung der Orchester-Profis Instrumente kennenlernen und ausprobieren können. Zudem gibt es unter dem Motto MUSIK FÜR ALLE vielfältige Kooperationen mit Kitas und Schulen.


erschienen bei Annette Betz / ISBN: 978-3219120615
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

SAISON-RÜCKBLICK 2024/2025

Am Ende eines Jahres präsentiert jede*r Buchverrückte gerne die persönlichen LESE-HIGHLIGHTS: Auch ich praktiziere dieses beinah schon traditionelle Ritual mit Freude, da es mir die wunderbare Chance ermöglicht, dass ich die gelesenen Bücher nochmals Revue passieren lassen kann.

Im letzten Jahr gönnte ich mir erstmals auch einen Rückblick auf die vergangene Spielzeit. Ich kann es nur immer wieder und wieder betonen: Die Kultur ist für mich ein so essenzieller Bestandteil meines Lebens, der Einfluss auf mein Wohlbefinden, meine Phantasie, meine Gedanken und meine Emotionalität nimmt, dass ich mir nicht vorstellen könnte, ohne sie zu sein.

Da habe ich mir gedacht, ich mache aus diesem SAISON-RÜCKBLICK auch mein höchst persönliches Ritual und schwelge nochmals in vielen schönen Erinnerungen. Es gab in der vergangenen Monaten so wunderbare kulturelle Glücksmomente für mich, und ich hoffe natürlich, dass die Zukunft noch viele weitere für mich bereithält.

Doch genug geplaudert: Hier kommt sie nun, meine kleine Hommage an die zurückliegende Saison 2024/2025!

Ich wünsche euch viel Spaß!

VORSPANN
1. BOSHANA MILKOV & JAN-HENDRIK EHLERS / 2. RAINER MORITZ
3. ERÖFFNUNGSGALA / 4. THEATERFEST / 5. TURANDOT
6. DER DIENER ZWEIER HERREN / 7. AMTSNOTEN / 8. INGRID PFEIFFER

9. KEEN UTKAMEN MIT DAT INKAMEN / 10. MY FAIR LADY
11. MOZARTS ERBE(N) / 12. ROMEO UND JULIA / 13. DER GOLDENE BRUNNEN
14. HÄNSEL UND GRETEL / 15. GESCHICHTEN AUS SAND
16. LÜGEN HABEN JUNGE BEINE / 17. CATCH ME IF YOU CAN
18. VORLESEWETTBEWERB / 19. BILDERBUCHKINO

20. ENTDECKERTOUR HAFENBUS / 21. KAMMERKONZERT
22. DER KUSS DER SPINNENFRAU / 23. LE NOZZE DI FIGARO
24. ALLENS, WAR ICK SEKER WEET / 25. THEATERSNACK / 26. PE WERNER
27. SCHNEEWITTCHEN / 28. SAMMELMAPPEN / 29. LISA FELLER
30. PEER GYNT / 31. DIE BREMER STADTMUSIKANTEN
ABSPANN

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[Konzert] Kazuyo Nozawa – DIE BREMER STADTMUSIKANTEN / Philharmonisches Orchester Bremerhaven

Musik & Text von Kazuyo Nozawa / basierend auf dem gleichnamigen Märchen der Brüder Grimm

Philharmonisches Orchester Bremerhaven

Premiere: 1. Juni 2025 / besuchtes Konzert: 1. Juni 2025

Stadttheater Bremerhaven/ Großes Haus


MUSIKALISCHE LEITUNG & MODERATION Hartmut Brüsch 
ERZÄHLER Victor Seraphin Feuchte
SOPRAN (HAHN) Victoria Kunze
MEZZOSOPRAN (KATZE) Boshana Milkov
TENOR (HUND) Andrew Irwin
BASS (ESEL) Ulrich Burdack

Da sind sie wieder, die vier selbsternannten Musikanten, auf ihrem Weg nach Bremen, das sie nachweislich nie erreicht haben. Doch Geschichten wie diese eignen sich hervorragend dazu, Legenden zu erschaffen. Aber Legenden sind ja auch dafür da, um gepflegt zu werden, und so haben sie schon die Phantasie von so machen kreativen Köpfen angestachelt. In diesem Fall gehörte der kreative Kopf der japanischen Komponistin Kazuyo Nozawa, die Gesang und Komposition in Tokio und Wien studierte und für ihre Kompositionen internationale Auszeichnungen erhielt. Zur Seestadt Bremerhaven hat sie eine besondere Bindung: Von 1978 bis 2010 war sie Mitglied des Opernchores des Stadttheaters Bremerhaven. Ihr musikalisches Märchen DIE BREMER STADTMUSIKANTEN kam im Jahre 2014 im Stadttheater Bremerhaven zur Uraufführung, wo es gestern anlässlich des Kindertages (und zu Ehren des 80. Geburtstages der Komponistin) nochmals zur Aufführung kam.

Diese und viele weitere Informationen verriet uns der musikalische Leiter Hartmut Brüsch gleich zu Beginn des Konzertes und lenkte unser Augenmerk auf einige Besonderheiten des Stücks. So hatte Kazuyo Nozawa einige bekannte Melodien mit ihrer Komposition verwoben: Da gab es Anleihen zu Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven, aber es erklangen auch Zitate aus bekannten Volks- und Weihnachtsliedern wie „Am Brunnen vor dem Tore“ und „Morgen kommt der Weihnachtsmann“. Selbst die Eurovisions Fanfare kam beim dramatischen Finale zum Einsatz. Dieser Kniff wurde von der Komponistin nicht etwa angewandt, weil ihr selbst nichts Gescheites mehr einfiel, vielmehr liegt ihr die Musikvermittlung an junge Menschen sehr am Herzen, und sie schuf so für ihre jungen Zuhörer*innen musikalische Anknüpfungspunkte.

Auch dem Philharmonischen Orchester ist die Musikvermittlung an Kinder und Jugendliche sehr wichtig. Es gibt bei den Familienkonzerten immer ein musikalisches Vorprogramm im oberen Foyer des Stadttheaters, bei dem die Kids unter Anleitung der Orchester-Profis Instrumente kennenlernen und ausprobieren können. Und so nehmen die Musiker*innen ein Familienkonzert natürlich ebenso ernst wie ein großes philharmonisches Konzert.

Kazuyo Nozawas schuf wunderbar melodische Kompositionen, die charmant die einzelnen Stationen, die die Musikanten auf ihrer Wanderschaft durchlebten, untermalten und von Hartmut Brüsch und dem Philharmonischen Orchester Bremerhaven mit Verve dargeboten wurden. Zudem gab es einige amüsante musikalische Anspielungen zu entdecken: Da durfte die Katze ihr Schicksal in Flamenco-Rhythmen à la CARMEN beklagen, oder der Hahn gackerte ganz aufgeregt eine Koloratur, wenn er die Bäuerin, die ihn in den Topf stecken wollte, als „Königin der Macht“ betitelte, was einen deutlichen  Bezug zur „Königin der Nacht“ aus Mozarts DIE ZAUBERFLÖTE darstellte.


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Doch all dieses Wissen trat gänzlich in den Hintergrund als unsere Star-Musikanten in der Verkörperung von Ulrich Burdack (Bass), Andrew Irwin (Tenor), Boshana Milkow (Mezzosopran) und Victoria Kunze (Sopran) die Bühne betraten. Schon allein optisch waren die Unterschiede dieser Vier nicht zu übersehen und deuteten auf die jeweilige Charakterisierung des Tieres hin.

Bei Ulrich Burdacks erstem Erscheinen als Esel fragte ich mich, warum er kein Kostüm trug. Doch dann entdeckte ich den grauen Schwanz unter dem Sakko des schwarzen Anzugs hervorlugen  und verstand, dass hier die graue Eminenz auf der Bühne stand, die voller Weisheit und in sich ruhend die Geschicke seiner kleinen Truppe lenkte. Andrew Irwin als Hund jaulte zum Steinerweichen. Er erschien gänzlich in Straßenköter-Beige gekleidet – bis hin zu den zwei Socken, die ihm als Schlappohren dienten, und so seinen bemitleidenswerten Zustand zusätzlich unterstrichen. Boshana Milkovs Katze hatte sich auch in ihrem hohen Alter ihre Eleganz bewahrt und betrauerte ihr Schicksal mit Noblesse. Wurde das schwarze Fell im Laufe der Jahre auch stumpf, so präsentierte sie wenigstens ihren Brustlatz noch im strahlenden Weiß. Victoria Kunzes Hahn war auch im Alter noch eine schillernde Erscheinung, dem man den in die Jahre gekommenen Gockel allerdings durchaus ansah, da er in seinem bunten Federkleid so manchen geknickten Kiel nicht verbergen konnte.

Galt es für die Sänger*innen in den Solis, dass sie die eigene Stimmlage für die Kids im Publikum besonders hervorhoben, so vereinten sie sich absolut harmonisch in den mehrstimmigen Passagen.

Victor Seraphin Feuchte lieferte souverän den erzählerischen Rahmen zu diesem musikalischen Märchen und sorgte so dafür, dass auch die jüngsten Zuschauer*innen die Zusammenhänge verstanden. Auch die stimmigen Hintergrundprojektionen dürfen nicht unerwähnt bleiben, da hierzu die Schüler*innen der Pestalozzischule in Bremerhaven ganz zauberhafte Bilder kreiert haben.

Die Kinder im Publikum folgten sehr aufmerksam dem Geschehen auf der Bühne und reagiertem mit ansteckendem Lachen auf die humorvollen Wendungen in der Geschichte. Mit viel Jubel und Klatschen, was auch einer sichtlich gerührten Kazuyo Nozawa galt, wurden alle Künstler*innen von ihren jungen Zuschauer*innen verabschiedet. Doch allzu lange sollte dieser Abschied nicht dauern, denn, wie es sich für echte Stars gehörte, gaben sie nach dem Konzert noch eine Autogrammstunde für und mit ihren Fans.

💛💜❤️ ES WAR BEZAUBERND…! ❤️💜💛


Das Philharmonische Orchester Bremerhaven bietet in jeder Saison ein Vielzahl an abwechslungsreichen Konzerten: Ein Blick in das PROGRAMM lohnt sich sehr!

[Ballett] Irina & Marius Manole – SCHNEEWITTCHEN UND DIE SIEBEN ZWERGE / Ballettschule Dance Art Bremerhaven

Musik von div. Komponisten / nach dem gleichnamigen Märchen der Brüder Grimm

Ballettschule Dance Art Bremerhaven

Premiere: 14. Mai 2025/ besuchte Vorstellung: 15. Mai 2025

Stadttheater Bremerhaven/ Großes Haus


CHOREOGRAFIE & INSZENIERUNG Irina & Marius Manole
ZUSÄTZL. CHOREOGRAFIE Nicole Llauradó Neve

Vor 15 Jahren gründeten Irina und Marius Manole die Ballettschule Dance Art in Bremerhaven. Seit 15 Jahren geben sie nicht nur ihr Wissen und ihre Freude am Tanz an ihre Schüler*innen weiter, vielmehr vermitteln sie – insbesondere an die Kinder und Jugendlichen – Werte, die diese auf dem Weg zum Erwachsenwerden in ihrer Persönlichkeit stärken: Selbstbewusstsein, Toleranz, ein friedliches Miteinander und die Erkenntnis, dass in der Gemeinschaft viel erreicht werden kann.

Anlässlich ihres Jubiläums gönnten die Beiden sich eine fulminante Inszenierung des bekannten Märchen-Klassiker, die an zwei Abenden im Stadttheater Bremerhaven präsentiert wurde. Wobei „gegönnt“ haben sie sich wahrlich nichts: Vielmehr steckten sehr viel Enthusiasmus und sicherlich noch mehr Arbeit in der Realisierung dieses Projekts. 40 unterschiedliche Tänze sollten choreografiert und 240 Tänzer*innen mussten koordiniert werden. Als ich dies erfuhr, brach selbst bei mir der Schweiß aus, und ich fragte mich verwundert, wie Irina und Marius in der überschaubaren Anzahl der handelnden Personen des Märchens diese vielen Menschen unterbringen würden. Sie fanden eine äußerst unterhaltsame Lösung…!

Bereits zu Beginn des Märchens, nachdem die Erzählerin die bekannten Worte „weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz“ ausgesprochen hatte, wirbelte Alexandra Thiele als Schneekönigin umringt von vielen kleinen und großen Schneeflocken über das Parkett. Auch Schneewittchens Aufenthalt im Wald bot dem/der Choreograf*in reichlich Gelegenheit, Flora und Fauna tanzen zu lassen. Aparte Waldfeen schwirrten durch das Gehölz, quirlige Kolibris flatterten über die Bühne, graziöse Magnolien „erblühten“. Doch die Natur hatte mit tanzenden Erdbeeren, Schmetterlingen, Lavendel, Marienkäfern und Glühwürmchen noch sehr viel mehr zu bieten. Da hoppelten die Kleinsten als Häschen über das Parkett und wurden dabei von einem knuddeligen Mini-Wolf verfolgt, oder sie drehten sich als Fliegenpilze drollig um die eigene Achse. Dann brach plötzlich ein Rudel Rehe aus dem Unterholz, um für humorige Verwirrung zu sorgen. Es war absolut erstaunlich, wieviel Trubel in so einem Wald herrschen kann. Dagegen geht es während der Rush Hour auf der nahen Columbusstraße eher gemütlich zu.

Doch selbstverständlich wurde auch am Hofe reichlich das Tanzbein geschwungen, sei es von den Debütantinnen beim Walzer oder auch von Schneewittchens loyalen Freundinnen. Drei Choreografien stachen aus der Fülle der Tänze, die eher am klassischen Ballett orientiert waren, heraus und boten so interessante Kontrapunkte. Beim so genannten Charaktertanz mit seinen Anleihen beim Flamenco zeigten die erwachsenen Schülerinnen der Ballettschule nachdrücklich, dass die Freude am Tanz nicht nur den Jüngeren vorbehalten ist. Aus einer Mischung aus Streetdance und Contemporary schuf Tanzlehrerin Nicole Llauradó Neve die effektvollen Choreografien sowohl für die Wölfe wie auch für die Hexen. Hier sorgte die stimmige Musik in Kombination mit dem ausdrucksstarken Tanz dafür, dass sich eine prickelnde Gänsehaut über meinem Körper ausbreitete.

Apropos Musik: Irina und Marius Manole hatten bei ihrer Auswahl ein sehr glückliches Händchen. Sie fanden adäquate Musikstücke, die sowohl für eine stimmige Atmosphäre sorgten sowie den Charakter der jeweiligen Szene besonders hervorhoben. Positiv abgerundet wurden die einzelnen Szenen durch einige wenige Requisiten in Kombination mit passenden Hintergrundprojektionen. Doch auch die vielen phantasievollen und detailreichen Kostüme boten ein Feuerwerk aus Tüll, Lichtern und Farben.


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Schauspielerin und Theaterpädagogin Kathrin Busch fungierte als charmante Erzählerin, überzeugte mit markanter Stimme und ebensolchem Spiel und sorgte für den erklärenden Rahmen bei den vielen Tanznummern. So konnten auch die Jüngsten im Publikum der Handlung ohne Probleme folgen.

Miriam Manole entzückte in der Titelpartie mit tänzerischem Können voller Grazie und Anmut. Dabei zeigte sie in ihrem bedachten Agieren mit den Kleinen und Kleinsten auf der Bühne pädagogisches Einfühlungsvermögen, indem sie mal dort leitend eingriff, mal hier sanft die Richtung wies. Dafür irritierte mich der Auftritt von Mats Tietjen als Prinz. Zugegeben: Die Rolle tauchte erst am Ende des Märchens auf und bot somit nur wenige Möglichkeiten, um zu brillieren. Vielleicht um dieses „Manko“ auszugleichen, grinste er penetrant ins Publikum und wirkte dadurch auf mich recht selbstverliebt. Da hätte ich Schneewittchen einen deutlich kernigeren Prinzen gewünscht. Ein Attribut, das ich Tobias Bruns als Schneewittchens Vater vorbehaltlos zusprechen konnte: Er gab einen äußerst stattlichen König und schaffte es so auch neben der prägnanten Stiefmutter von Mia Barnkow zu bestehen. Mia Barnkow meisterte ihre Solis bravourös und gestaltete ihren Part mit einer Zurückhaltung zwischen „geheimnisvoll“ und „gefährlich“. Ihrem Tanz mit dem „fleischgewordenen“ Spiegel von Gesa Wübben fehlte nicht an Dramatik. Die sieben Zwerge wurden von Thomas Brannemann, Charlotte Eufinger, Vivien Radeck, Mina Dammeyer, Sophie Flindt, Marta Sengewein und Elise Yuuka Shiga verkörpert und erstaunten (und erfreuten) mich mit ihrem wunderbaren Zusammenspiel. Wie kleine Kobolde tobten sie voller Energie über die Bühne, sorgten so für manche Lacher im Publikum und boten somit beste Unterhaltung.

Irina und Marius Manole haben gemeinsam mit ihrem Team das bemerkenswerte Kunststück vollbracht, Menschen unterschiedlichen Alters, die zudem auf verschiedenen Ausbildungslevels sind, in einer Show harmonisch miteinander zu vereinen. Auf dieser bewundernswerten Leistung dürfen alle Beteiligten zu Recht stolz sein. Standing Ovation und ein frenetischer Applaus waren der Lohn für einen wahrlich märchenhaften Abend.


Hier gibt es ganz und gar wundervolle IMPRESSIONEN von den Proben! Zur Homepage der Ballettschule Dance Art geht es in dieser RICHTUNG, oder ihr schaut mal auf INSTAGRAM vorbei.